Die „ewige“ Baustelle

Wenn man mit dem Zug aus dem Süden, also aus Richtung Bremen und Hannover, nach Hamburg kommt, dann überquert man kurz vor dem Hauptbahnhof ein Gewässer, den Oberhafen. Über die Oberhafenbrücke passieren täglich etwa 240 Fern- und Regionalzüge diese Bahnstrecke. Das 500 Tonnen schwere Mittelteil dieser 150 Meter langen Hafen-Brücke, die zuletzt schwere Korrosionsschäden aufwies, wurde zur Weihnachtszeit 2007 ausgetauscht. Außerdem wurde ein weiteres Teilstück des Schienennetzes vor dem Hauptbahnhof, ein aus Backstein gemauertes Viadukt im Freihafen, die so genannte Pfeilerbahn, abgerissen und wird neu aufgebaut. Diese beiden Baumaßnahmen werden erst 2010 beendet sein.

Oberhafenbrücke - Hamburg hbf.

Zz. stehen nur noch zwei Schienenstränge, jeweils einer in beide Fahrtrichtungen, für den Bahnverkehr zur Verfügung. Es ist unschwer zu erraten, dass durch diese Baumaßnahmen immer wieder erhebliche Verzögerungen im Bahnverkehr eintreten. Und das jetzt noch mindestens zwei Jahre.

Ich wohne bereits seit über 13 Jahre in Tostedt und fahre werktäglich morgens nach Hamburg und abends zurück. In dieser Zeit gab es immer wieder Verspätungen, die besonders durch den Austausch alter Schienen veranlasst waren. Allein die Erneuerung des Teilstücks zwischen Buchholz und Hamburg-Harburg führte zu einer Vollsperrung dieser Strecke für über 8 Monate (5. April bis zum 11. Dezember 2004). Natürlich wird es allerhöchste Zeit, dass die alten, teilweise maroden Schienenstränge erneuert werden. Die Strecke zwischen Hamburg-Harburg und Hamburg Hbf. hat zudem viele kleine Brücken, die wie die Oberhafenbrücke über 100 Jahre alt sind und nie wirklich gewartet wurden.

Aber es kommt auch sonst immer wieder zu längeren Verzögerungen bis hin zum Zeitpunkt, an dem dann überhaupt nichts mehr geht. Beeinträchtigungen von außen lassen sich nicht vermeiden. Allerdings zeigt dann die Bahn, dass sie zu einer Notfallregelung nicht ausreichend im Stande ist.

Nun auf meiner Strecke Bremen – Tostedt – Hamburg verkehren jetzt schon seit vielen Jahren (genau: seit dem 14. Dezember 2003) die Bahnen des Eisenbahnverkehrsunternehmens Metronom. Die neuen Züge erwiesen sich als weitaus komfortabler als die veralteten DB-Bahnen. Auch mit der Pünktlichkeit nahm es der Metronom viel genauer als noch der alte Betreiber dieser Strecke. 2005 wurde das Metronom-Netz um die Strecke Uelzen – Hannover – Göttingen erweitert. Ende letzten Jahres kam die Strecke Hamburg – Stade – Cuxhaven hinzu. Außerdem wurde der Verkehr der Regionalbahnlinien Hamburg – Lüneburg und Hamburg – Tostedt von der Deutschen Bahn AG übernommen. Nicht immer wirkt sich eine solch große Expansion eines Unternehmens vorteilhaft für den Kunden aus: So kommen die Fahrzeuge der Anfangszeit langsam in die Jahre, den öfter treten Störungen auf, die zu weiteren Beeinträchtigung führen (z.B. lassen sich Türen nicht schließen, Lokomotiven fallen wg. technischer Schäden aus, die Klimaanlage funktioniert nicht, sodass ganze Waggons gesperrt werden müssen). Auch mutmaße ich, das von dem neu eingestellten Zugpersonal noch nicht alle im Stande sind, mit der neueren Technik bereits vollends klar zu kommen.

Wie auch immer: Es gibt eine Reihe von Ereignissen, die dazu führen, dass sich Züge verspäten können. Wenn man den folgenden Text liest (einen wunderschönen Textbaustein), den mir das Metronom-Kundenzentrum zukommen ließ, dann versteht man fast, dass man pünktlich eintreffende Züge an den Fingern einer Hand abzählen kann:

Grundsätzlich ist die pünktliche Durchführung einer Zugfahrt nur möglich, wenn die zur Verfügung stehende Infrastruktur bzw. die Belegung der Gleise dieses ermöglichen. Daher ist, abgesehen von der Zugfolgeregelung auf der Strecke (besonders wichtig bei Ihrer Strecke: der Vorrang der IC und ICE-Züge), natürlich auch die Bahnsteigbelegung durch andere Eisenbahnverkehrsunternehmen in den Bahnhöfen maßgeblich. Ebenso lassen sich Zugfahrten nur pünktlich ausführen, wenn keine Beeinträchtigungen durch z. B. Bauarbeiten an den Gleisen, Störungen an der Technik (Weichen, Signale, Oberleitung, Bahnübergänge) oder den Loks bzw. dem Wagenmaterial vorliegen. Doch nicht nur eisenbahntechnische, sondern auch andere, von außen auf den Betrieb einwirkende Faktoren, beeinflussen die Einhaltung des Fahrplans. So können z. B. Personen im Gleis, Böschungsbrände und Unfälle an Bahnübergängen Auslöser von Behinderungen sein.

Absender: lobundtadel @ online-kundenzentrum.de

Interessant ist in diesem Zusammenhang der Hinweis auf den Vorrang der IC- und ICE-Züge. Dadurch wird ein Pendler wie ich gewissermaßen zu einem Fahrgast „zweiter Klasse“. Wenn es aber um Fahrpreiserhöhungen geht, dann wird der Pendler meist als erster zur Kasse gebeten.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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