Martin Walser: Brief an Lord Liszt

    Oh mein Lord, wo steht Ihnen eigentlich das Wasser!
    S. 71
    Seine Fähigkeit, an nichts zu glauben zu müssen, als an sich selbst, ist inzwischen zur Lieblingstugend der Epoche geworden. S. 105

Am Freitag vor Pfingsten, kurz vor Arbeitsschluss, rief Arthur Thiele die Abteilungsleiter der Firmen Chemnitzer Zähne und Fin Star zu sich: Benedikt Stierle, der Konkurrent, hatte aufgegeben, er hatte seine Firma und sich in Brand gesteckt. Die Abteilungsleiter erhoben sich, Thiele dankte, die Sitzung war beendet, frohe Pfingsten. Franz Horn war als erster an der Tür.

Die Zeiten, als Thiele nach einem solchen Ereignis unbedingt noch ein paar Sätze mit Franz Horn wechseln musste, waren vollkommen vorbei. Auch Dr. Liszt, der Kollege und Freund, war nicht mehr an einem Gespräch mit Horn interessiert, das sah er deutlich, denn Liszt eilte, wie alle anderen, auf Thiele zu.

Vor ein paar Jahren hatte Franz Horn einen Selbstmord versucht. Da er nicht gelang, wurde er zu Horns Misserfolgen gezählt: Horns Zeit war vorüber, er gehörte zu den rapid Älterwerdenden; eine junge Mannschaft rückte heran, eine Fusion mit der Weltfirma Bayer stand bevor. Die Tatsache, dass auch Liszt, der von seiner Familie Verlassene und dem Alkohol Ergebene, in diesen neuen Zeiten keine Chance mehr hatte, war ohne Trost für ihn; Liszt weigerte sich, sein Verbündeter zu sein. Ja, es hatte den Anschein, als sei er ein Feind geworden, zumindest aber einer, mit dem er in Feindseligkeit leben musste.

Warum nicht einen Brief schreiben, einen richtigen Brief, einen langsam geschriebenen Brief, in dem er Liszt den historischen Anteil an der Krise ihrer Beziehung oder Freundschaft zuweisen konnte? Damit endlich einmal alles richtig ausgesprochen wäre. Damit man wieder atmen, die Freundschaft neu oder endgültig begründen könnte. Lieber Lord Liszt! (Die Anrede war da, als Horn nach dem Schreiber griff.) Und Franz Horn begann zu schreiben, Seite um Seite. Und beendete den Brief. Und nahm ihn mit einem PS wieder auf. Und dem ersten PS folgte ein zweites, ein drittes, ein viertes; am Ende waren es neunzehn Fortsetzungen.

Was aber enthält der Brief, der in der Art der Lawinenentstehung ins Nichtgeheuere oder Ungeheuere anschwillt und – wie Lawinen es tun – alles, was im Weg liegt, mitreißt, aus den Höhen in die Tiefe oder aus den Tiefen in die Höhe, das Unausgesprochene, nur Empfundene? Was er Liszt vorzuwerfen hat, sind keine strafbaren Delikte, die sich trefflich in Szene setzen ließen. Es geht um Kränkungen, Verletzungen, Niederlagen, Unrecht menschlicher Art. Zwischen Liszt und Horn, Horn und Liszt, zwischen Thiele und Horn und Liszt. Es geht um Konkurrenz, um Anerkennungs-, Freundschafts- und Liebesentzug, um das gefahrvolle Leben, wenn genommen wird, was stark und widerstandsfähig macht; es geht um die Überwindung eines Zustands permanenten Verschweigens, um das plötzliche Aufbrechen eines Schmerzes, der artikuliert werden will, ohne Rücksicht auf die anderen und auf sich selbst.

Das Schreiben wird ein Ersatz für alles: „Sprechen wir doch endlich aus, soviel wir können, anstatt zu leiden wie die Hummeln. Oder leiden Sie gar nicht? Leidet, wer recht hat, nicht?“

Nicht in den einzelnen Fällen minutiöser und gröblicher Verletzung durch den anderen wird der Leser sich und seine Erfahrungen wiederfinden. Vielmehr wird sich der Leser im Faktum des Verletztwerdens erkennen, im wahnwitzigen Wunsch, sich all dessen zu entledigen, was ihn der zu sein zwingt, der er nicht ist. Der Leser wird sich an die von anderen eigens für ihn erdachte weise Erkenntnis erinnern: „Jeder sieht ein, dass er einsehen muss: ihm steht nur zu, was ihm zusteht.“ Und er wird sich endlich entledigen wollen, „nicht mehr der Vernunft anderer zu Kreuze zu kriechen.“

Martin Walser: Brief an Lord Liszt (1982)
Martin Walser: Brief an Lord Liszt (1982)

Das Buch ist ein Abrechnungsfest, ein Befreiungsunternehmen, eine Trennungsorgie, eine Wahrheitsmaschine, eine Einsamkeitsprüfung, kurzum: der Bericht von der schweren Erträglichkeit des wirklichen Lebens. Also eine Schmerzensgeschichte und ein Heilungsprozess. Dieser rücksichtslos leidenschaftliche Brief ist nicht weniger als ein Lehrbuch: Es zeigt uns einen Weg, um (wieder) in den Besitz der eigenen Vernunft zu kommen.
(aus dem Klappentext)

Ich habe diesen kleinen, gerade 150 Seiten umfassenden Roman von Martin Walser nach vielen Jahren erneut gelesen. Das Buch habe ich als 1. Auflage 1982 aus dem Suhrkamp Verlag, Frankfurt, vorliegen.

In seinem Brief an Dr. Liszt entwirft der Schreiber Franz Horn ein ‚Gesetz der Gesellschaftsphysik‘, wie er es nennt. Dieses besteht aus sieben Sätzen. Ich bin mir nicht sicher, aber den sechsten Satz muss Martin Walser unterschlagen habe, zumindest ist dieser nicht als solcher gekennzeichnet. Ich habe dafür eine andere Aussage von Franz Horn herangezogen, den mit dem Hinweis auf die Identität des Einzelnen, der mir sehr nach Max Frisch (siehe u.a.: Max Frisch: Stiller) klingt (siehe unten).

Gesetz der Gesellschaftsphysik

1. Satz: Was man über einen Menschen denkt, kann man allen sagen, nur ihm selbst nicht. Er verstünde es nicht. Ihm muß man sagen, was er will, daß man ihm über ihn sage. Nur das versteht er. (S. 41)

2. Satz: Wer jemanden unter sich erträgt, erträgt auch jemanden über sich. (S. 70)

3. Satz: Freundschaft zwischen Angestellten einer Firma ist nicht möglich. Zwischen Konkurrenten ist Freundschaft nicht möglich. Oder einfach: Konkurrenten sind Feinde. Noch einfacher: Konkurrent ist Feindschaft. (S. 91/92)

4. Satz: Zwischen Chef und Abhängigen gibt es menschliche Beziehungen nur zum Schein. (S. 92)

5. Satz: Freunde hat man, solange man sich die Frage, ob man welche hat, noch nicht stellt. (S. 109)

6. Satz [ist als solcher nicht benannt]: Es kann sich keiner identifizieren mit dem, der er in den Augen der anderen ist. Aber bevor man sich nicht mit dem, der man für andere ist, identisch erklärt, hat man keinen ruhigen Augenblick. (S, 142)

7. Satz: Der Mißerfolg seines Konkurrenten ist der Erfolg der Erfolglosen. (S. 144)

Im Mittelpunkt des Briefes steht ein Treffen zwischen Horn und Liszt in Hagnau am Bodensee, als beide vergeblich auf Thiele, der sie zu einer Segeltour eingeladen hatte, warteten und in Streit gerieten. Ich habe ansatzweise versucht, den Bodensee zu jener Stunde (ein Gewitter zog auf) in einem mit KI erstellten Video zu kennzeichnen.


„Hätten Sie doch auf den See gesehen! Der lag, als sei schon alles zu Ende. Wie nach einer Weltkatastrophe lag er. Kein Wasser mehr. Geschmolzenes Blei. Schon ganz violett. Die Flaute, vollkommen. […] Hinter Ihnen, das aus gar allen Farben zusammengezogene Gleißen des Gewitterlichts.“ (S. 118)

Twin Peaks – alle drei Staffeln (1990/1991/2017) auf arte.tv

Twin Peaks ist eine US-amerikanische Fernsehserie aus den Jahren 1990, 1991 und 2017, entwickelt von David Lynch und Mark Frost. Sie lässt sich den Genres Kriminalfilm, Mystery- und Horrorfilm zuordnen, enthält aber auch Elemente einer klassischen Seifenoper. Während der Ermittlungen an einem Mordfall wird ein Labyrinth aus Sex, Drogen, Lügen und Gewalt aufgedeckt t, das sich hinter der idyllischen Fassade der Kleinstadt Twin Peaks im äußersten Norden der USA verbirgt. Vor allem in der zweiten Staffel treten dabei auch übernatürlich-phantastische Elemente immer stärker in den Vordergrund.

Leitthema der ersten Staffel und ersten Hälfte der zweiten Staffel ist die Aufklärung des Mordes an Laura Palmer, geführt durch den FBI-Agenten Dale Cooper (gespielt von Kyle MacLachlan). Im Zuge der Ermittlungen kommen die Abgründe des idyllisch scheinenden Kleinstadtlebens zum Vorschein. Dabei verstehen es die Macher, Plotelemente US-amerikanischer Kriminalserien mit ironisch-überhöhten Stilmitteln der Seifenoper zu mischen und außerdem zahlreiche surreale und mystische Elemente einzuweben. Die Untersuchung findet in Episode 16 mit der Überführung und dem Tod des Mörders, Laura Palmers Vater Leland, ihren Abschluss. Der wahre Täter, ein dämonischer Geist namens Bob, der in der Lage ist, von Menschen Besitz zu ergreifen, kann jedoch nicht vernichtet werden.

‚Twin Peaks‘ – in drei Staffeln (1990/1991/2017)
‚Twin Peaks‘ – in drei Staffeln (1990/1991/2017)

Die restliche zweite Staffel, die sich nahtlos an die Palmer-Ermittlung anschließt, dreht sich um die Suche nach Coopers ehemaligem FBI-Kollegen und Mentor Windom Earle. Cooper hatte einst eine Affäre mit Earles Ehefrau, die als Zeugin in einem Gerichtsprozess auftreten sollte und für den Zeitraum bis zur Verhandlung unter Coopers Schutz gestellt wurde. Earle ermordete seine Frau im Wahn und wurde dafür in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert. Seitdem herrscht Feindschaft zwischen Earle und Cooper. Earle gelingt die Flucht nach Twin Peaks, wo er Cooper ein aus der Ferne geführtes Schachspiel aufzwingt, bei dem für jede geschlagene Figur ein Mensch sein Leben verliert. Während Cooper und seine Helfer des Sheriffbüros fieberhaft nach einer Spur des flüchtigen Ex-Polizisten suchen, finden sie heraus, dass Windom Earles eigentliches Ziel die Suche nach der sogenannten Schwarzen Hütte ist. Dieser mystische Ort in den Wäldern von Twin Peaks gilt als Sammelpunkt des Bösen, von dem aus beispielsweise auch der böse Geist Bob die Stadt bedroht. Earle hofft, mit Hilfe der Schwarzen Hütte große Macht zu erlangen. Nachdem Earle Coopers neue Liebe Annie Blackburn entführt hat, folgt ihm Cooper schließlich in die Schwarze Hütte. Dort wird Earle nach einem missglückten Mordversuch an Cooper von Bob getötet und Cooper erhält Einblick in die Natur des Ortes. Er trifft dort etwa auf seinen teuflischen Doppelgänger, sein Schattenselbst. Cooper kann die Schwarze Hütte zusammen mit Annie wieder verlassen, zurück in Twin Peaks stellt sich jedoch heraus, dass Cooper in der schwarzen Hütte verblieb, wohingegen sein Schattenselbst mit Bob verschmolzen in Twin Peaks angekommen ist. An dieser Stelle endete die Serie mit einem lange Zeit als solchem angenommenen offenen Schluss. Die dritte Staffel setzt inhaltlich wie produktionstechnisch nach über 25 Jahren die Geschehnisse fort.
(Quelle: de.wikipedia.org)

Siehe auch: twinpeaks.fandom.com (engl.)

Alle drei Staffeln der Serie sind bis zum 19.12.2026 auf arte.tv verfügbar. Ich habe bisher die erste Staffel (8 Folgen) und von der 2. Staffel (22 Folgen) die ersten 9 Folgen gesehen (damit endet die Ermittlung um den Mord an Laura Palmer). Die 3. Staffel hat nochmals 18 Folgen. Es braucht schon viel Sitzfleisch, um ‚Twin Peaks‘ in voller Länge sehen zu wollen.

Ich habe mir erlaubt, drei Szenen aufgrund von Videoschnappschüssen mit Unterstützung von KI (Künstlicher Intelligenz) zu erstellen. Twin Peaks-Fans mögen mir verzeihen.


Szenen aus der Kultserie „Twin Peaks“, die es so nicht gab

Friedrich Glauser: Studer ermittelt (sämtliche Kriminalromane)

Die Kriminalromane von Friedrich Glauser (1896-1938) haben es mir angetan. Seine sämtlichen Krimis habe ich in 1.Auflage Januar 2009 aus dem Verlag Zweitausendeins, Frankfurt mit 1100 Seiten in letzter Zeit erneut gelesen. Im Mittelpunkt steht der Fahnderwachtmeister von der Berner Kantonspolizei Jakob Studer, genannt ‚Köbu‘, samt Ehefrau Hedwig. Studer hatte sich vor Jahren mit den Oberen der Schweiz angelegt und wurde daraufhin degradiert und nach Bern versetzt. Hier und im Umfeld erleben wir seine, wie es Studer nennt, ‚verkachelten‘ Geschichten.

Mir sind 5 Verfilmungen bekannt, die vom SRF (Schweizer Fernsehen) in Bärndütsch (Berndeutsch -> Hochalemannisch) mit hochdeutschen Untertiteln und von 3SAT in Hochdeutsch ausgestrahlt wurden: Wachtmeister Studer (Mord in Gerzenstein) 1939 / Matto regiert 2x 1946 und 1980 / Der Chinese 1978 / Krock & Co. 1976. Leider sind die Filme nicht verfügbar.


Friedrich Glauser: Wachtmeister Studer – Filme in aller Gemächlichkeit
(1) Vorspann: Krock & Co. (OMU 1976) – (2) Vorspann: Der Chinese (OMU 1978) – (3) Vorspann: Matto regiert (OMU 1980) – (4) Abspann: Matto regiert (OMU 1980)

Friedrich Glauser gilt als Begründer des modernen deutschsprachigen Kriminalromans. Seine Reihe um den behäbigen, aber intuitiven Wachtmeister Studer umfasst fünf vollendete Romane, die zwischen 1936 und 1941 veröffentlicht wurden.

Friedrich Glauser (1896–1938) führte ein rastloses Leben, das oft als „Biographie der Katastrophen“ bezeichnet wird. Seine persönlichen Erfahrungen mit Sucht, Psychiatrie und Flucht spiegeln sich tief in seinem Werk wider.

Friedrich Glauser
Friedrich Glauser

Eckdaten und Lebensstationen
Herkunft: Geboren am 4. Februar 1896 in Wien als Sohn eines Schweizers.
Unruhige Jugend: Früher Tod der Mutter, schwieriges Verhältnis zum Vater und häufige Schulwechsel. Er wurde bereits in jungen Jahren wegen „lasterhaften Lebenswandels“ entmündigt.
Sucht und Psychiatrie: Glauser litt zeit seines Lebens unter einer schweren Morphium- und Opiumsucht. Dies führte zu zahlreichen Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken (u.a. in der Anstalt Waldau), was er später in seinem Roman ‚Matto regiert‘ verarbeitete.
Fremdenlegion: Von 1921 bis 1923 diente er in der französischen Fremdenlegion in Nordafrika – eine prägende Zeit, die er in dem Roman ‚Gourrama‘ und den Legionserzählungen literarisch festhielt.
Literarischer Durchbruch: Erst in seinen letzten Lebensjahren gelang ihm mit der Figur des Wachtmeister Studer (ab 1936) der Erfolg als Schriftsteller.
Tod: Er starb am 8. Dezember 1938 mit nur 42 Jahren in Nervi bei Genua, am Vorabend seiner geplanten Hochzeit mit Berthe Bendel.
Heute wird Glauser als Wegbereiter des modernen Kriminalromans im deutschsprachigen Raum gefeiert. Zu seinem Gedenken wird jährlich der Friedrich-Glauser-Preis verliehen, eine der bedeutendsten Auszeichnungen für deutschsprachige Krimiautoren.

Die fünf abgeschlossenen Romane
1. Wachtmeister Studer (auch: Schlumpf Erwin Mord, 1936): Der Auftaktfall führt Studer in das Dorf Gerzenstein, wo er einen vermeintlichen Selbstmord als Mord entlarvt und sich gegen die lokale Justiz stellt.
2. Die Fieberkurve (1938): Dieser autobiografisch geprägte Fall führt den Ermittler bis nach Nordafrika zur Fremdenlegion, in der Glauser selbst gedient hatte.
3. Matto regiert (1936): Studer ermittelt in einer psychiatrischen Heilanstalt. Der Roman thematisiert Glausers eigene Erfahrungen mit Internierungen und kritisiert die damalige Psychiatrie.
4. Der Chinese (1939): In einer Armenanstalt und einer Gartenbauschule sucht Studer nach der Wahrheit hinter einem rätselhaften Todesfall. Glauser schrieb das Manuskript nach einem Diebstahl in Rekordzeit neu.
5. Krock & Co. (auch: Die Speiche, 1941): Während einer Hochzeitsreise gerät Studer in einen Kriminalfall im ländlichen Umfeld, der posthum veröffentlicht wurde.

Besonderheiten der Figur
Studer ist kein klassischer „Super-Detektiv“. Seine Stärken sind:
Menschlichkeit: Er zeigt tiefes Mitgefühl für Randfiguren und die „kleinen Leute“.
Intuition: Er verlässt sich eher auf sein Gefühl und seine Beobachtungsgabe als auf rein analytische Methoden.
Atmosphäre: Die Krimis leben von ihrer dichten, oft düsteren Stimmung und präzisen Milieustudien.
Neben den Romanen gibt es noch mehrere Erzählungen und Romanfragmente wie ‚Knarrende Schuhe‘ oder ‚Der alte Zauberer‘.

Die Kriminalromane von Friedrich Glauser sind im Hochdeutschen geschrieben, enthalten aber starke Einflüsse und Passagen in Bärndütsch (Berndeutsch -> Hochalemannisch) in den Dialogen und der Atmosphäre. Hier nur zwei Beispiele: … nüd apartigs … (nichts Besonderes) – Vhabis = Kohl (Blödsinn). Es gibt hierzu eine Website mit einem Wörterbuch, das berndeutsche Begriffe ins Hochdeutsche übersetzt und mir bei Lesen sehr geholfen hat: berndeutsch.ch

Sprachliche Besonderheiten
Hochdeutsche Erzählung: Der Haupttext und die erzählenden Passagen sind in standardisiertem Hochdeutsch gehalten, sodass die Romane im gesamten deutschsprachigen Raum lesbar sind.
Berndeutsche Dialoge: Ein wesentliches Merkmal der Romane ist die Verwendung von Schweizerdeutsch in den direkten Reden der Charaktere. Wachtmeister Studer selbst spricht ebenfalls diesen Dialekt. Dies verleiht den Romanen Authentizität und Tiefe und hilft, das spezifische Schweizer Milieu einzufangen.
Polyglotte Elemente: Die Romane spiegeln die sprachliche Vielfalt der Schweiz wider, indem sie neben Deutsch auch gelegentliche französische oder italienische Ausdrücke einbinden, was eine komödiantische Ebene hinzufügen kann.

Auswirkungen auf das Leseerlebnis
Für Leser ohne Schweizerdeutsch-Kenntnisse kann das Verständnis einiger Dialoge eine Herausforderung darstellen, da sie oft nicht direkt übersetzt werden. Jedoch trägt gerade diese sprachliche Eigenheit maßgeblich zur Atmosphäre und Glaubwürdigkeit der Geschichten bei. Die Sprache Studers hilft ihm auch, eine Verbindung zu den „einfachen Leuten“ und Verdächtigen aufzubauen, da er im gleichen Zungenschlag spricht wie sie.

Dieser Beitrag wurde zum Teil mit KI erstellt

… lokalen Buchhandel stärken:

Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel

    „Diese Regeln, die Zeichensprache und Grammatik des Spieles, stellen eine Art von hochentwickelter Geheimsprache dar, an welcher mehrere Wissenschaften und Künste, namentlich aber die Mathematik und die Musik (beziehungsweise Musikwissenschaft) teilhaben und welche die Inhalte und Ergebnisse nahezu aller Wissenschaften auszudrücken und zueinander in Beziehung zu setzen imstande ist. Das Glasperlenspiel ist also ein Spiel mit sämtlichen Inhalten und Werten unsrer Kultur […] Was die Menschheit an Erkenntnissen, hohen Gedanken und Kunstwerken in ihren schöpferischen Zeitaltern hervorgebracht, was die nachfolgenden Perioden gelehrter Betrachtung auf Begriffe gebracht und zum intellektuellen Besitz gemacht haben, dieses ganze ungeheure Material von geistigen Werten wird vom Glasperlenspieler so gespielt wie eine Orgel vom Organisten …“
    Das Glasperlenspiel – Versuch einer Lebensbeschreibung des Magister Ludi Josef Knecht samt Knechts hinterlassenen Schriften herausgegeben von Hermann Hesse – Den Morgenlandfahrern
    (suhrkamp taschenbuch 79 – Achte Auflage 141.-160. Tausend 1976 – Copyright 1943)

Hermann Hesse gehört zu den Schriftstellern, die mein Leben beeinflusst haben. Vor einigen Jahren schrieb ich das Folgende:

Hermann Hesse widmete sich in seinem Tun und literarischem Schaffen dem Individuum. Seine Romane, Erzählungen und Gedichte haben immer wieder die Selbstverwirklichung, die Selbstwerdung, die Autoreflexion des einzelnen zum Thema. Im Glasperlenspiel nun findet das individuelle Leben in einer überpersönlichen Gemeinschaft seine Einordnung. Obwohl es hier um eine streng hierarchisch geordnete Gesellschaft geht, so ist diese zutiefst human und lässt dem Einzelnen die Wahlmöglichkeit.

In diesen Tagen habe ich den Roman erneut gelesen und konnte nicht umhin, eine gewisse Enttäuschung zu erfahren. Der Roman beschreibt eine reine Männerwelt, in der Frauen nur am Rande vorkommen. Hier eine kleine Analyse, die am Ende zeigt, dass selbst Hesse die fiktive Gelehrtenprovinz namens Kastalien als steril und einseitig empfand.

Hermann Hesse
Hermann Hesse

In Hermann Hesses 1943 erschienenem Zukunftsroman ‚Das Glasperlenspiel‘ ist die Abwesenheit des Weiblichen ein konstitutives Element der dargestellten Gesellschaftsordnung. Der Roman spielt in der fiktiven Provinz Kastalien, einem rein männlichen Gelehrtenorden des 23. Jahrhunderts, der sich der Pflege des Geistes und dem abstrakten „Glasperlenspiel“ widmet.


Ein fiktives Gespräch zwischen Franz Kafka (1883-1924), Hermann Hesse (1877-1962) und Martin Walser (1927-2023)
Audio: Hermann Hesse liest aus seinem Gedicht: Stufen (1949)

Hier sind die zentralen Aspekte der Inhaltsangabe unter dem Fokus dieser Männerwelt:

1. Kastalien als Refugium des patriarchalen Geistes
Die Handlung folgt der Vita von Josef Knecht, der innerhalb der kastalischen Hierarchie vom begabten Schüler zum Magister Ludi (Meister des Spiels) aufsteigt. Kastalien ist als pädagogische Provinz konzipiert, die bewusst klösterliche Züge trägt. Frauen haben in diesem System keinen Platz; die Gemeinschaft basiert auf Zölibat, Askese und der strikten Trennung von der „profanen“ Außenwelt.

2. Die Frau als Symbol der „niederen“ Welt
Frauen erscheinen im Roman fast ausschließlich jenseits der kastalischen Grenzen. Sie werden mit der „Welt“ assoziiert – einem Bereich, der für die Gelehrten als Ort der Triebhaftigkeit, der biologischen Fortpflanzung, des Krieges und der Vergänglichkeit gilt.
Maria Feremonte: Als eine der wenigen namentlich genannten Frauen verkörpert die Ehefrau von Knechts Gegenpart Plinio Designori das häusliche, weltliche Leben. Sie bleibt jedoch eine Randfigur ohne intellektuelle Teilhabe am kastalischen Diskurs.

3. Homoerotische Subtexte und männliche Mentorenschaft
Die emotionalen Bindungen im Roman finden ausschließlich zwischen Männern statt. Die Entwicklung Josef Knechts wird durch die Beziehung zu verschiedenen Vaterfiguren und Mentoren geprägt:
Der Musikmeister, der Knecht als Kind entdeckt und ihn spirituell leitet.
Der Ältere Bruder im Bambushain, bei dem Knecht die chinesische Weisheit studiert.
Pater Jacobus, der Knecht die Bedeutung der Geschichte lehrt.

Diese rein männliche Kette der Wissensweitergabe betont das Ideal einer geistigen Zeugung, die ohne Frauen auskommt.

4. Der Ausbruch: Rückkehr zur Natur und das tragische Ende
Knechts wachsendes Unbehagen an der Sterilität Kastaliens führt schließlich zu seinem Austritt aus dem Orden. Er erkennt, dass ein Geist ohne Bezug zur Realität (und damit zum „Weiblichen“, Mütterlichen und Naturgegebenen) leblos bleibt.
• Sein Versuch, als Hauslehrer für Designoris Sohn Tito in die Welt zurückzukehren, scheitert jedoch tragisch.
• In einer symbolträchtigen Szene ertrinkt Knecht in einem Bergsee. Dies kann als die letztlich missglückte Vereinigung des kastalischen Geistes mit der elementaren, oft weiblich konnotierten Natur gedeutet werden.

Fazit
In Das Glasperlenspiel ist die Männerwelt ein Synonym für die reine Abstraktion. Hesse zeichnet Kastalien als eine Utopie des Geistes, die jedoch an ihrer eigenen Einseitigkeit krankt. Das Fehlen von Frauen ist nicht bloßes Zeitkolorit, sondern markiert die Unvollständigkeit einer rein rationalen Existenz, die den Bezug zum Leben, zur Emotion und zur Erneuerung verliert.

Dieser Beitrag wurde zum Teil mit KI erstellt

Halldór Laxness: Am Gletscher

Vor einiger Zeit habe ich den kleinen Roman ‚Am Gletscher‘ des isländischen Literaturnobelpreisträgers Halldór Laxness aus dem Jahr 1968 (dt. 1974 unter dem Titel ‚Seelsorge am Gletscher‘, 1989: ‚Am Gletscher‘) erneut gelesen. Der besondere Humor, mit dem der Roman geschrieben ist, ist dabei besonders erwähnenswert. Der Roman wurde 1989 von Laxness’ Tochter Guðný Halldórsdóttir unter dem Titel ‚Kristnihald undir Jökli‘ in Island verfilmt. Eine deutsche Synchronfassung mit dem Titel ‚Am Gletscher‘ liegt vor.

In Halldór Laxness‘ Roman „Am Gletscher“ (Originaltitel: Kristnihald undir Jökli, 1968) reist ein junger, namenloser Gesandter des isländischen Bischofs – genannt „Embi“ (für Emissär) – an den Fuß des Snæfellsjökull. Er soll dort das seltsame Verhalten von Pfarrer Jón Prímus untersuchen, gegen den schwere Vorwürfe vorliegen.


Der ‚Embi‘ wird am Gletscher lediglich mit Kaffee (Island ist ein Kaffeetrinkerland) und Torten verpflegt (sein Ebenbild tut sich auf)

Halldór Laxness: Am Gletscher (1968)
Halldór Laxness: Am Gletscher (1968)

Die Handlung
Der Auftrag: Embi soll prüfen, warum der Pfarrer seine Amtspflichten vernachlässigt: Er hält keine Gottesdienste mehr ab, begräbt die Toten nicht und hat die Kirche vernageln lassen. Stattdessen verbringt Jón Prímus seine Zeit mit dem Beschlagen von Pferden und der Reparatur alter Gebrauchsgegenstände.
Die Begegnung: Am Gletscher trifft Embi auf eine skurrile Gemeinschaft, in der Realität und Mythisches verschwimmen. Jón Prímus vertritt eine pragmatisch-mystische Weltanschauung, in der das Hier und Jetzt und die Natur wichtiger sind als dogmatische Zeremonien.
Das Geheimnis: Im Zentrum der rätselhaften Ereignisse steht Ua, die verschwundene Ehefrau des Pfarrers. Um sie ranken sich Gerüchte über Auferstehung und Ewigkeit, die das rationale Weltbild des Gesandten zunehmend erschüttern.

Zentrale Themen
Kritik an Institutionen: Laxness nutzt die Figur des Jón Prímus, um eine Kirche zu hinterfragen, die sich mehr um Riten als um das Leben der Menschen sorgt.
Mystik vs. Rationalität: Der Kontrast zwischen dem bürokratischen Embi und der archaischen, fast magischen Welt am Gletscher thematisiert die Grenzen der Logik.
Menschlichkeit: Die Seelsorge wird hier nicht durch Predigten, sondern durch praktische Hilfe und das Akzeptieren des Unerklärlichen geleistet.

Der Roman gilt als eines der komplexesten und humorvollsten Werke des Nobelpreisträgers. Er ist im Steidl Verlag als Taschenbuch erhältlich.

Die Seele als Fisch
Ein zentrales Element des Romans ist die Vorstellung, dass die Seele der verstorbenen Údua (die Frau von Pfarrer Jón Prímus) in einen Fisch beschworen wurde.
• Symbol der Konservierung: Der Fisch wird in einem speziellen Behälter auf dem Gletscher aufbewahrt, um dort bis zu einer möglichen Wiederauferstehung oder Rückkehr zu verharren.
• Transformation: Dieses Motiv spielt mit der Idee der Seelenwanderung und stellt eine Verbindung zwischen dem Spirituellen und der physischen Natur (dem Element Wasser/Eis) her.


Der ‚Embi‘ mit Ua/Údua und dem ‚Fisch‘

Christliche Symbolik und ihre Dekonstruktion
Der Fisch ist das traditionelle Symbol für Christus (Ichthys). Laxness nutzt dies jedoch oft auf ironische Weise: Im Roman wird ein Fisch, der als religiöses oder spirituelles Symbol dient, eher profan behandelt – er wird „achtlos aufgetaut“ und schließlich von Vögeln gefressen.

Dieser Beitrag wurde zum Teil von KI erstellt

siehe meine weiteren Beiträge zu Halldór Laxness in diesem Blog

Umberto Eco: Die Insel des vorigen Tages (1995)

Umberto Ecos Roman ‚Die Insel des vorigen Tages‘ aus dem Jahr 1995 (Originaltitel: L’isola del giorno prima – Carl Hansa Verlag 2. Auflage 1995 – Aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber) habe ich in diesen Tagen erneut gelesen. Dieser gilt uns einen Einblick in die Gedankenwelt des 17. Jahrhunderts und damit in das damalige Weltbild der Menschen. In dem Roman, der im Jahr 1643 spielt, landet ein gewisser Roberto de La Grive auf einem einsamen Schiff in der Südsee. Er ist auf der Suche nach der Bestimmung des Meridians (Längengrad), der bis dato noch nicht bestimmt werden konnte (lässt sich nur aus dem Unterschied zwischen Orts- und der Zeit auf dem Nullmeridian, heute in Greenwich bei London, bestimmen und wurde erst 1750 gelöst). Östlich von seinem Standort liegt eine Insel. Da er meint, sich auf dem 180 Grad Länge zu befinden, also der Datumsgrenze, so läge die Insel ‚im vorigen Tag‘. Im Fieber träumt er … Ich habe versucht, einige dieser Träume mit Hilfe von KI darzustellen – Teil 1

Hier der 2. Teil der Träume des Roberto de La Grive. Zwar ist die Umsetzung des Textes von Umberto Eco nicht so ganz gelungen, aber immerhin …

Wir schreiben das Jahr 1643. Die Niederlande kämpfen gegen die spanische Krone, in Deutschland wütet immer noch der Dreißigjährige Krieg. In Frankreich herrscht der Absolutismus, In England ist Bürgerkrieg. Die Epoche des europäischen Barock, das Zeitalter der Aufklärung hat begonnen, und die Erde ist nicht mehr Mittelpunkt des Universums.

Aus den Träumen des Roberto de La Grive
Aus den Träumen des Roberto de La Grive

Mitten in dieser turbulenten Zeit ist Roberto de La Grive, ein junger Piemontese, in geheimer. Mission und in allerhöchstem Auftrag unterwegs. Er ist nach einer abenteuerlichen Jugend nach Paris gekommen, ist dort in antiklerikale Kreise geraten und wird von Kardinal Mazazin persönlich vor die Wahl gestellt: Entweder verliert er Kopf und Kragen, oder er muß als Spion im Dienste Frankreichs einem Geheimnis auf die Spur kommen, das zu enträtseln sich die seefahrenden Großmächte verzweifelt bemühen – dem Geheimnis des Festen Punktes, der die Längengrade bestimmt, die allein es ermöglichen, einen einmal entdeckten Ort wiederzufinden. Roberto schifft sich ein auf der Amarilli, auf der sich nächtens sinistre Dinge abspielen. Doch genau in dem Moment, als er, wie es scheint, der Aufklärung des Rätsels nahe gekommen ist, geht die Amarilli in einem Orkan mitten in der Südsee unter, und nur Roberto kann sich retten. Tagelang treibt er im Meer umher, bis er auf ein verlassenes Schiff stößt. Aber nach einer Weile merkt er, daß noch jemand außer ihm an Bord der Daphne ist. Und der unheimliche Fremde ist, wie sich zeigt, hinter dem gleichen Ziel her wie Roberto, wenn auch aus anderen Gründen und mit anderen Mitteln.

Doch zunächst geht es ums Überleben. Wie sollen die beiden auf die in Sichtweite gelegene Insel kommen, die wie eine Fata Morgana mit allen möglichen tropischen Verheißungen zu ihnen herüberleuchtet, auf die Insel des vorigen Tages, die auf dem 180. Meridian liegt, also östlich der Datumsgrenze? Beide können nicht schwimmen, und das Meer ist von todbringendem Getier bevölkert. Der Fremde hat einen genialen Einfall, doch er kehrt nicht von seiner Reise zur Insel zurück.

In seiner Verlassenheit beginnt Roberto sich einen Roman auszudenken, dessen Hauptpersonen eine von ihm verehrte schöne Dame in Paris und sein Zwillingsbruder, sein Doppelgänger, sind – eine dämonische Gestalt, die Verkörperung des absolut Bösen. Immer dramatischer spitzt sich diese Handlung zu, immer mehr vermischen sich Wahn und Wirklichkeit, bis Roberto, in Gefahr, die Geliebte zu verlieren, der erlösende Einfall kommt…

Roberto de La Grive, unterwegs mit einer geheimen wissenschaftlichen Expedition, erleidet Schiffbruch in der Südsee und landet nicht auf einer einsamen Insel, sondern auf einem Schiff voller exotischer Pflanzen und Vögel, Meßinstrumente und merkwürdiger Gerätschaften. Wieder zu Kräften gekommen, merkt er, daß sich außer ihm offenbar noch ein anderer Mensch auf dem Schiff befindet…
So beginnt Umberto Ecos dritter Roman, der in einer Zeit des politischen Chaos, des materiellen Elends und feudalen Glanzes, finstersten Aberglaubens und wissenschaftlicher Revolutionen spielt: zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Abenteuerroman, Liebesgeschichte und historisches Panorama – Eco erfindet den gewaltigen Kosmos eines ganzen Jahrhunderts neu, und vor dem Auge des gebannten Lesers entsteht die Epoche des Barock…

Künstliche Intelligenz (KI) auf dem Vormarsch (1): ‚Vorspiel‘ – Texte

Was für das Internet heute in ‚stürmischen Zeiten‘ gilt, hat zunehmend Geltung für das, was wir ‚Künstliche Intelligenz‘, kurz KI, nennen (bzw. AI englisch für Artificial Intelligence). Wie das Internet so ist auch die Künstliche Intelligenz Fluch und Segen zugleich. Fluch dadurch, weil KI für die Verbreitung von Fakes benutzt wird, weil sie uns Arbeitsplätze wegnimmt, Segen, weil wir dank KI schneller als bisher zu benötigten Informationen gelangen und weil sie uns bei der Arbeit hilft.

Was KI auf dem Arbeitsplatz betrifft, so kann ich als Rentner nicht mitreden. Allerdings kann ich mir denken, dass die Künstliche Intelligenz Vorteile wie Nachteile beinhaltet. Aber auch ohne berufliche Bindung werde ich immer wieder von KI konfrontiert.

KI findet z.B. Anwendung bei der Suche mit Internetbrowsern wie Google. So habe ich schon mehrmals eine Antwort durch KI erhalten, wo die ‚normale‘ Suchmaschine versagte. Nicht immer soll die Antwort korrekt sein. Immerhin konnte ich bisher die Antwort auf meine Anfragen auf andere Weise verifizieren.

Antwort per KI zur Anfrage: KI
Antwort per KI zur Anfrage: KI

Natürlich gibt es im vielen Bereichen, die mich interessieren, dank KI ‚unerwartete‘ Hilfe. Mit Texten habe ich mich bislang nicht beschäftigt, habe aber auf Beiträge von mir hier im Blog ‚Antworten‘, also Kommentare, erhalten, die ich für eindeutig als KI-generiert halte. Hier nur ein Beispiel: Mein Beitrag ‚Mutmaßungen über Künftiges (2): Dilemmata‘, in dem ich mich u.a. zum Krieg gegen die Ukraine, zu Trumps Wirtschaftspolitik u.a. geäußert habe, kamen zwei Beiträge, die in gewisser Weise zustimmend waren, am Ende dann nur noch durch Fragen glänzten, also eigentlich nur um den ‚heißen Brei‘ redeten.

Solche ‚Kommentare‘ dienen ist erster Linie dazu, auf mehr oder weniger skurrile Websites zu verlinken (ich habe die Kommentare stehen gelassen, aber diese Links entfernt). Was soll ich mit einem Bla-Bla, das nicht von Menschen, sondern von Maschinen stammt. Noch bin ich nicht soweit, mich mit diesen zu ‚unterhalten‘.

Und ich habe in den ‚sozialen Medien‘ Accounts und dazu Posts gefunden, die äußerlich professionell gemacht sind, die aber allein der Abzocke dienen. Also Vorsicht, wenn geglaubt wird, ein besonders tolles Schnäppchen machen zu können. Zuerst auf andere Weise die Angebote prüfen.

Mutmaßungen über Künftiges (2): Dilemmata

Wir leben in einer Zeit der Dilemmata, in einer Welt, die von alten weißen Männern bestimmt wird, deren Tun von Geld und Machtgier bestimmt ist. Und uns armen, kleingeistigen Menschen bleibt nur übrig, mit den Achsel zu zucken und uns im kollektiven Narzissmus zu ergehen, statt an ein gemeinsames ‚WIR‘ zu appellieren. Die ‚Mitte‘ schrumpft. Lieber positionieren wir uns Links oder Rechts. Oder ist die ‚Mitte‘ nur schweigsam?

    Die Demokratie ist die schlechteste Regierungsform – mit Ausnahme von all den anderen Regierungsformen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.
    Winston Churchill (1874-1965)

Ich habe die Demokratie einmal die ‚Diktatur der Mehrheit (der Dummen)‘ genannt. Wenn dem so wäre, könnte noch alles halbwegs in Ordnung sein. Aber auf Deutschland bezogen gibt es längst keine echte Mehrheit mehr. Fast immer schon, wurden Mehrheiten durch Koalitionen gebildet. Aber heute zerfällt alles in Grüppchen, selbsternannte ‚Bündnisse‘, wenn sie sich auch noch Parteien nennen. Schon zu Weimarer Zeiten gab es zu viele Parteien, die jede ihr eigenes Süppchen zu kochen trachtete. Nicht umsonst schufen die Urheber (und Urheberinnen) des Grundgesetzes die 5-%-Klausel. Okay, FDP und der Sahra Wagenknecht-Block sind erst einmal in die Wüste geschickt. Aber in der Koalition aus Union und SPD knitscht es unüberhörbar, wenn auch nur die reine Machtbegierde diese am Leben erhält. Aber ich schweife gehörig ab.

1. Rechts gegen links oder: Gemeinsam gegen die Demokratie?

Die Grenzen zwischen dem, was wir früher politisch Links und Rechts nannten, verschwimmen immer mehr. Mancher Linke begreift sich als Putinversteher (s.u.), Putin wiederum unterstützt rechtsextreme Parteien, um die westlichen Demokratien zu destabilisieren.

2. Dilemma Krieg gegen die Ukraine

Putin wird zugutegehalten, der Westen hätte Vereinbarungen nicht eingehalten, die eine NATO-Osterweiterung untersagten. In Wahrheit: Im Budapester Memorandum (1994) garantierten Russland, USA und UK der Ukraine territoriale Integrität im Austausch für Atomwaffenverzicht. Der wahre Wortbruch: Putins Angriff auf die Ukraine ab 2014 brach das Budapester Memorandum.

Von deutschen Linken (u.a. aus dem Dunstkreis der BSW) wird der Präsident der Ukraine, Selenskyj, als ‚Drogenabhängiger‘ diffamiert, wobei wahrscheinlich die Abhängigkeit vom westlichen Europa beschrieben werden soll. Merz, Macron und Starmer werden dafür als Kriegstreiber bezeichnet, wobei auch für mich die Rolle von Herrn Merz bedenklich ist. Als ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender von BlackRock Deutschland und mit Sicherheit Anteilseigner dieser Investmentgesellschaft, die Anteile besonders in der Rüstungsindustrie unterhält, würde er bei großen Rüstungsgeschäften finanziell profitieren.

Aber zum eigentlichen Dilemma: Putin macht keine Anstalten, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Stattdessen führt er Trump und Co. am Nasenring durch die Weltmenagerie. Putin ist der Kriegstreiber! Sicherlich ist die Bezeichnung ‚Stellvertreterkrieg‘ (die Ukraine kämpft stellvertretend für die Anrainerstaaten gegen Russland) eher unglücklich gewählt, gibt aber doch die Gefahr wieder, die durch Putins Hegemoniebestreben auch z.B. für die Baltischen Staaten, ja selbst für Finnland, besteht.

Wie also diesen Krieg beenden? Könnte man Putins Machtgier durch Geld besänftigen, wie es wahrscheinlich Trump vorschwebt? Damit wären wir beim 2. großen Dilemma unserer Zeit …

3. Dilemma: Trumps Wirtschaftspolitik

Wie Trump wirtschaftspolitisch tickt, habe ich hier an anderer Stelle bereits erläutert. Dass ein einziger Mann (natürlich verbergen sich jede Menge Hintermänner, auch -frauen, hinter Trump) die Wirtschaft vieler Länder an den Rand des Ruins treiben kann, ist einmalig in der Weltgeschichte. Geld ist für Trump aber alles, auch wenn er Gefahr läuft, am Ende als Verlierer dazustehen, da seine Politik aus lauter Widersprüchen besteht und auch der US-Wirtschaft schadet. Genug …

Mutmaßungen über Künftiges
Mutmaßungen über Künftiges

4. Lösung? Mutmaßungen?

In meinem Umfeld ergibt sich viel Kopfschütteln: Warum solche Gestalten wie Trump, Putin und Co. immer noch am Leben sind. Das angebliche Attentat auf Trump soll ein Fake gewesen sein, dem allerdings zwei Menschen zum Opfer fielen. Ich weiß: Es ist kaum noch zu unterscheiden, was Fakt und was Fake ist (alle Seiten bedienen sich bei Falschmeldungen). Aber die einfachste Lösung wäre sicherlich, wenn diese Gestalten von der Bildfläche verschwänden, wie auch immer. Dass Trump zumindest psychisch krank ist, steht außer Zweifel. Und bei Putin werden physische Erkrankungen vermutet. Vielleicht hat die Natur ein baldiges Einsehen mit uns Menschen.

Wie irre Trump ist, zeigt sein Wunsch, den Friedensnobelpreis zu bekommen (ist ihm wahrscheinlich mehr wert, als alles Geld …). Okay, es wäre die Spitze der Farce, wenn er diesen Preis (mit Putin zusammen?!) wirklich bekäme. Aber wenn damit dem Weltfrieden gedient wäre, warum dann nicht. 😒

Und zum Ukraine-Krieg: Trump erhofft sich gute Geschäfte mit Russland: Ukraine hin, Ukraine her. Natürlich ist Russland ein großer Markt. Aber ich kann mir nicht vorstellen, wie das gut gehen soll. Putin geht die Kohle aus, hat außer Gas und Öl nichts zu bieten. Und was die US-Amerikaner produzieren, ist auch nicht das Beste. Zudem wird sich Putin durch Geld kaum bestechen lassen. Sein Machthunger ist ungestillt. Der Krieg wird andauern …

5. Dilemma Krieg Israel gegen Gaza

Nein, vergessen habe ich es nicht: Israels Krieg gegen Gaza, der mir fast wie ein Krieg des amtierenden israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu gegen die Hamas erscheint. Die Hamas, eine palästinensische sunnitisch-islamistische Organisation, gilt in vielen Ländern als terroristische Vereinigung. Das erklärte Ziel der Hamas ist es, den Staat Israel zu vernichten und auf dessen Gebiet einen vom Islam geprägten Gottesstaat zu errichten. Die Verschleppung von rund 260 Personen als Geiseln war mit der Auslöser, den Krieg gegen Gaza zu eröffnen.

Das Dilemma ist deutlich: Israel und Hamas, die durch arabische Staaten unterstützt wird, stehen sich unversöhnlich gegenüber. Dabei leidet besonders, wenn auch nicht allein, die palästinensische Bevölkerung, da Netanjahu gnadenlos gegen sie vorgeht. Seine Vorstellung von der völligen Vernichtung der Hamas ist für mich allerdings illusorisch. ‚Das Böse‘ lässt sich nicht vollständig eliminieren.

Es ist zum Kotzen mit diesen alten weißen Männern (das muss ich mit meinen 71 Jahren schreiben, aber ich terrorisiere höchstens meine Familie … 😉). Natürlich ist Geld- und Machtgier nichts Neues. Aber solche Ausmaße wie heute hat es noch nicht gegeben: Es ist die Globalisierung dieses maßlosen Begehrens!


Money & Violence

Schtschedryk / Shchedryk / Щедрик – Peace 4 Ukraine (mit Ian Anderson)

Ich will den Teufel nicht an die Wand malen: Der Krieg Russlands gegen die Ukraine findet kein Ende und viele befürchten schon, dass mit dem Einsatz von Langstreckenraketen und Marschflugkörpern durch die Ukraine, Putin Atomwaffen benutzen könnte … und damit vielleicht ein 3. Weltkrieg heraufbeschworen wird.

Eigentlich wollen wir alle, dass dieser Wahnsinn ein Ende findet. Und auch viele Musikerinnen und Musiker in Europa wünschen sich ‚Frieden für die Ukraine‘ (Peace 4 Ukraine). Mit dabei ist auch unser Flötenschart Ian Anderson. Angestimmt wird dafür ein Lied mit dem Titel ‚Schtschedryk‘ (ukrainisch Щедрик, englische Transkription: Shchedryk, dt. ‚großzügig‘). Es ist ein altes ukrainisches, ursprünglich heidnisches Volkslied, das die Geschichte einer Schwalbe erzählt, die zu einem Landwirt fliegt und ihn ruft, damit er zu seiner Schafherde schaut, wo viele Lämmer geboren worden sind, das bedeutet, dass der Bauer jetzt wohlhabend ist.

Ian Anderson (Jethro Tull): Peace for Ukraine
Ian Anderson (Jethro Tull): Peace for Ukraine

Hier also das Lied, das im anglo-amerikanischen Raum auch als ‚Carol of the Bells‘ bekannt ist:

Ein Ständchen, ein Ständchen, ein Ständchen,
Eine kleine Schwalbe kam,
Sie begann zu zwitschern,
um den Meister zu rufen:
Komm raus, komm raus, Herr,
Sieh dir den Schafstall an.
Die Schafe liegen dort unten,
Und die Lämmer sind geboren.


Shchedryk – Peace 4 Ukraine (Various Artists)

Mutmaßungen über Künftiges (1)

Um es gleich zu sagen: Meine Mutmaßungen über die Zukunft unseres Planeten sind in vielem rein hypothetisch und sollen vor allem keine Angst schüren. Aber die Frage, ob z.B. ein dritter Weltkrieg droht, sollte gestellt werden können. Eine eindeutige, also jeden Zweifel ausschließende Antwort kann es nicht geben. Nur so viel: Durch den Ukraine-Krieg, durch den Krieg in Israel und Gaza, durch Klimakrise, und dem Zollkonflikt zwischen den USA und dem Rest der Welt – um nur das Schlimmste vom Schlimmen zu nennen – schauen wir in einen Abgrund, der uns das Fürchten lehrt.

Um es gleich auf einen Punkt zu bringen: Es ging immer und geht heute mehr denn je um Macht und Geld. Anhand von einigen Stichwörtern werde ich meine Mutmaßungen hier (in mehreren Teilen) vorbringen. Zunächst ein Blick auf die letzten Ereignisse:

„Aktion Spinnennetz“

Mit einem Überraschungsangriff tief in russischem Gebiet hat der ukrainische Geheimdienst SBU in einer koordinierten Aktion mindestens vier russische Militärflughäfen attackiert und dabei nach eigener Darstellung mehr als 40 Flugzeuge zerstört. Die Angriffe richteten sich demnach unter anderem gegen die russische Militärbasis in Belaja in Ostsibirien, die rund 4.200 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt in der Region Irkutsk liegt. Zuvor waren in den an die Ukraine grenzenden Gebieten Kursk und Brjansk zwei Züge nach Brückeneinstürzen entgleist.

In den Nachrichten lesen wir immer wieder den Verweis, dass sich die Angaben (hier die des ukrainischen Geheimdienstes) nicht unabhängig überprüfen lassen. Soviel dürfte aber sicher sein: Westliche Geheimdienste (besonders der USA) werden genau wissen, was da gelaufen ist. Inwieweit der Westen an diesen Angriffen beteiligt ist, lässt sich nicht sagen.

Zur Rolle des Westens im 2. Teil dieser Mutmaßungen mehr.

Mutmaßungen über Künftiges
Mutmaßungen über Künftiges

„Staat im Staate“ (Deep state): Geheimdienste

Der Begriff vom „Staat im Staate“ (engl. Deep state) ist ein politischer Begriff, der sich auf vermeintliche, geheime Machtstrukturen innerhalb eines Staates bezieht, die unabhängig von der offiziellen Regierung agieren. Es wird oft als Verschwörungserzählung verwendet, die besagt, dass eine geheime Gruppe von Eliten, darunter Geheimdienste, Militär, Politiker, Prominente und Milliardäre, die Regierung kontrolliert. In den USA von heute unter Trump wird dieses Schlagwort benutzt, um Teile des Staatsapparates wie Behörden zu zerschlagen, wenn diese nicht dem aktuellen politischen Kurs folgen. Dass sich z.B. die Tech-Milliardäre wie Musk und Thiel, der Freiheit und Demokratie für unvereinbar hält, selbst zum Staat im Staate zu etablieren suchen, wird gern übersehen. Beamte sind der demokratischen Grundordnung verpflichtet und nicht einem Präsidenten wie Trump.

Ob Trump als US-Präsident immer weiß, was seine Geheimdienste tun, bezweifle ich. Diese agieren nach meiner Meinung durch eine ‚Elite‘ geführt. Wer diese ‚Elite‘ bildet, bleibt dahingestellt. Diese mag einerseits auch im Interesse des Landes handeln (Abwehr feindlicher militärischer Angriffe), wird aber andererseits der ‚Elite‘ selbst dienlich sein. Dass gerade Geheimdienste oft gegen demokratische Prinzipien handeln, zeigen viele Beispiele; erwähnt sei hier Chile Anfang der 1970er Jahre, als Salvador Allende auf demokratischen Weg zum Präsidenten des Landes gewählt wurde und eine sozialistische Gesellschaft etablieren wollte. 1973 wurde er durch einen Militärputsch gestürzt, an dem der CIA zumindest indirekt beteiligt war.

Ein Geheimdienst wäre kein Geheimdienst, wenn er nicht im Geheimen arbeiten würde. Dass dabei auch die eigene Bevölkerung selbst nach abgeschlossenen Aktionen nichts erfährt, verdeutlich, dass diese, wenn nicht gar unabhängig von der Regierung, so doch unabhängig vom ‚Wählerwillen‘ tätig sind.