Als Fan der Mannschaft von Werder Bremen macht man das nicht … Aber ich hatte einen langen Tag gestern, und als in dem Play-off-Spiel zur Champions League das 3:0 für Sampdoria Genua gegen die Bremer fiel, da hatte ich genug und machte den Fernseher aus. Ich lasse mich gern eines Besseren belehren. Und als ich heute nachschaute, wie das Spiel ausging, da war ich doch mehr als überrascht. In der Nachspielzeit wurde das Bremer Auslaufmodell Markus Rosenberg zum Matchwinner und erzielte das 3:1, das damit das Hinspielergebnis egalisierte. Und in der notwendig gewordenen Verlängerung sorgte Claudio Pizarro, dass der SV Werder doch noch den Einzug in die Hauptrunde (Gruppenphase) der Champions League schaffte. „La Sampdoria“ ging zuletzt unter wie eins die Andrea Doria.
Selten war eine Niederlage so schön. Und wie schon so oft, so drehte auch gestern eine in der ersten Halbzeit desolat auftretende Bremer Mannschaft das Ergebnis zu ihren Gunsten. Der Sieg gegen die Italiener ist dabei für die deutsche Bundesliga von Bedeutung. In der Fünfjahreswertung der UEFA hatte Deutschland in der letzten Saison Italien vom 3. Platz abgelöst und stellt ab Saison 2012/2013 dann 4 CL-Plätze (d.h. die ersten drei der Bundesliga nehmen direkt an der Hauptrunde der Champions League teil, eine 4. Mannschaft muss sich wie jetzt Werder Bremen über ein Play-off qualifizieren) statt bisher drei.
Erst in der Verlängerung zeigte sich gestern die Elf von Trainer Schaaf wie beim Hinspielsieg vor knapp einer Woche abgeklärt genug. Ansonsten wies die Abwehr eklatante Schwächen auf – in der Innenverteidigung fehlte besonders der am Knie verletzte Naldo. Aber ein wichtiges Ziel in dieser Saison ist erreicht: die Königsklasse des europäischen Fußballs!
Das Problem ist nicht neu. Aber dank dem Trara um Google Street View allerorts in den Medien ist es nun fast jedem Bürger bewusst geworden: Das Internet dringt in die Privatsphäre ein.
Und so sucht sich ein Mensch selbst im Netz: Warum sich lauter harmlose Daten zu einem erschreckend vollständigen Bild fügen – ein Selbstversuch von Thomas Fischermann.
Das kommunistische Regime in Pjönjang will seine Propaganda künftig auch via Internet verbreiten. Unter dem Benutzernamen “uriminzokkiri” hat es u.a. auf YouTube bereits mehr als 200 Videos hochgeladen. Ob wir damit viel anfangen können? Der Twitter-Account @uriminzok hat bereits über 1000 Follower. Uriminzok heißt so viel wie “Unsere Nation”.
Zocken mit Rohstoffen: Kakao wertvoll wie Gold, Weizen knapp und teuer - das geht nicht unbedingt aufs Konto von Produzenten und Herstellern. Spekulanten stecken hinter dem Preisanstieg: Sie haben Rohstoffe als Gewinnmaschine entdeckt.
Gerade die Unterwasserwelt offenbart sich uns in atemraubenden Bildern. Aber im Grunde gilt auch hier: Fressen und Gefressenwerden. Hier nun wirklich 27 unvergessliche Fotografien, die uns die Schönheit der Natur nahe bringt.
A Serious Man ist eine US-amerikanische Filmkomödie aus dem Jahr 2009. Regie führten Ethan und Joel Coen, die auch das Drehbuch schrieben, den Film produzierten sowie unter ihrem gemeinsamen Pseudonym Roderick Jaynes den Schnitt übernahmen. Der Film ist jetzt auch als DVD A Serious Man erhältlich.
Ohne jede Vorwarnung bricht Larry Gopniks (Michael Stuhlbarg) Bilderbuchleben wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Seine Ehefrau Judith (Sari Lennick) gesteht, dass sie sich in den Witwer Sy Ableman (Fred Melamed) verliebt hat und daher eine rituelle Scheidung möchte. Das FBI wird auf die beim illegalen Glücksspiel eingesetzten Mathematikfähigkeiten seines hochbegabten Bruders Arthur (Richard Kind) aufmerksam. Sohnemann Danny (Aaron Wolff) interessiert sich mehr für Marihuana und Rockmusik als für die Schule. Töchterchen Sarah (Jessica McManus) stibitzt aus dem väterlichen Portemonnaie Geld, um sich die Nase verschönern zu lassen. Und der südkoreanische Student Clive (David Kang) ist für eine bessere Note gar bereit, Larry einen prallgefüllten Geldumschlag zuzustecken…
In ihrem neuesten Film „A Serious Man“widmen sich die Coen-Brüder dem Tanach, der jüdischen Bibel. Larry ist ein vorbildlicher Jude, auf den urplötzlich wahre Hiobsbotschaften einprasseln. Doch er verzweifelt nicht. Vielmehr begibt sich der Naturwissenschaftler wie sein biblisches Ebenbild auf die unlösbare Suche nach einer Rechtfertigung für Gottes Handeln. Er wendet sich an drei Rabbis, besteigt das Dach seines Hauses und beobachtet wie König David die (sonnen-)badende Nachbarin.
Die Verweise auf biblische Ereignisse verleihen „A Serious Man“ sicherlich ein komplexeres Gewand als es die schrullige Spionagekomödie Burn After Reading umgab. Aber auch ohne das notwendige Hintergrundwissen eröffnen die Coens dem Zuschauer ein großartiges Porträt einer jüdischen Gemeinde Anfang der Siebziger. Um diese möglichst authentisch erscheinen zu lassen, entschlossen sich die Regisseure, auf ihre zahlreichen namhaften Schauspielfreunde zu verzichten und die Rollen ausschließlich mit Darstellern jüdischen Glaubens zu besetzen. So wird der geneigte Kinogänger nur wenige Gesichter auf den ersten Blick wiedererkennen – mit welch sicherer Hand die Coen-Brüder ihr Ensemble auswählten, ist aber dennoch beeindruckend. Richard Kind ist wie schon in „Chaos City“ eine köstliche komödiantische Ergänzung, Fred Melamed besticht bereits in seiner ersten Szene alleine durch seine zwischen Freundschaft und dezentem Unbehagen schwankende Stimme und Aaron Wolff erweist sich als vielversprechendes Talent, das nicht in die üblichen Teenie-Manierismen verfällt. Mit seiner unglaublichen Präzision überragt der Broadway-erprobte Michael Stuhlbarg jedoch alle. Er legt seine Figur nicht als klassischen Verlierer oder vom Schicksal Gebeugten an. Vielmehr ist sein Larry ein hoffnungsvoller Mann, dem zwar der Teppich unter den Füßen weggezogen wurde, der aber dennoch nicht aufgibt und vehement seine Sinnsuche verfolgt.
In einer besonders herrlichen, doppelbödigen Szene wird Larry von einem Plattenverkäufer am Telefon genervt. Der Filius bestellte auf seinen Namen die neuesten Rock-Scheiben. Doch er selbst hat nie Santanas „Abraxas“ geordert und versucht daher verzweifelt, dem Anrufer klarzumachen, dass er nie einen „Abraxas“ hören werde. Hartnäckig wehrt er sich gegen Santanas Album und bestätigt so unterbewusst seinen jüdischen Glauben, indem er Abraxas, dem höchsten Gott der Gnostiker, eine Absage erteilt.
Dialog am Telefon ist symptomatisch für den Film. Mit der stoischen Überzeugung nichts getan zu haben, rennt Larry gegen seine Probleme an. Er argumentiert logisch, doch keiner scheint ihn zu verstehen. Der hieraus resultierende Humor ist Coen-typisch äußerst trocken. In gewitzten Wortgefechten verhaspeln sich die Figuren, driften vom eigentlichen Thema ab und lassen dabei manche Abschlusspointe einfach aus. Besonders hinterlistig ist dieses Vorgehen im Finale. Larry erliegt schließlich einer der teuflischen Versuchungen – und muss prompt dafür bezahlen. Was mit ihm und seinem Sohn geschieht, erzählen die Coens nicht. Sie blenden einfach ab. Bis Larry diese finale Hiobsbotschaft jedoch ereilt, verfängt er sich noch in verworrenen Traumwelten, muss mehrfach erklären, was eine Get ist, und lässt sich von einem Rabbi das grandios-abstruse Gleichnis eines Zahnarztes erzählen.
Larrys Sinnsuche ergibt nicht immer Sinn. Vielmehr muss man – wie es auch dem Protagonisten geraten wird – das Mysterium der kuriosen Ereignisse akzeptieren, um Gefallen an „A Serious Man“ zu finden. Wirklich schwer machen die Coens es dem aufgeschlossenen Zuschauer allerdings nicht, ihren Film ins Herz zu schließen. Die schlichten Bilder von Stamm-Kameramann Roger Deakins setzen das schrullige Judenporträt großartig in Szene. Die lebensnahen Figuren plappern mit herrlichem Selbstverständnis daher. Und selbst der Jiddisch gesprochene Prolog ist rückblickend kein völliger Fremdkörper. Vereinfacht gesprochen: „A Serious Man“ ist ein kleiner, schwarzhumoriger Geniestreich, wie ihn nur Joel und Ethan Coen aus dem Handgelenk schütteln können.
Anders als „Burn After Reading“ ist dies ein sehr ruhiger Film, aber ebenso wie jener ist dieser mit vielen wahnsinnig witzigen Einfällen gespickt. Zunächst muss man sich etwas in den Film hineinfinden, aber wenn man erst einmal in diese groteske Welt amerikanischer Juden der 70er Jahre eingetaucht ist, dann macht der Film richtig Spaß. Nicht nur mein großer Sohn ist ein großer Fan der Coen-Brüder – ich bin es inzwischen längst auch und kann auch diesen Film nur wärmstens empfehlen.
Während es bei uns Bindfäden regnet (oder aus Kübeln schüttet), regnet es im englischen Sprachraum Katzen und Hunde (It’s raining cats and dogs!). Ich liebe Redensarten. Sie sind das Salz in der Suppe (auch eine Redensart) einer Sprache.
Daher der Name Bratkartoffel. Ich war mir zunächst nicht im Klaren, ob es hierbei um eine allgemein bekannte Redensart handelt (genaugenommen handelt es sich hierbei um eine Redewendung). Viele Redensarten bzw. Redewendungen (ich will es hier nicht ganz so genau nehmen) übernimmt man von seinen Eltern (und gibt viele auch an seine eigenen Kinder weiter). Diese Redewendung kenne ich von meinem Vater und sie fiel mir wieder ein, als sich eine Frage plötzlich aus dem Zusammenhang mit einer weiteren Information klärte: Das war dann plötzlich klar wie klare Kloßbrühe! Oder: Daher der Name Bratkartoffel!
Redenarten sind sprachliche Wendungen mit meist symbolischer Bedeutung. Kennt man eine Redensart nicht und kann auch die symbolische Bedeutung nicht auflösen, die sich eventuell im Zusammenhang zum weiterhin Gesagten herstellen ließe, dann erscheinen Redensarten sinnlos zu sein. Was bedeutet z.B. jemanden am Bein ziehen (to pull somebody’s leg)? Okay, wer etwas Englisch kann, wird vielleicht wissen, dass diese Redensart unserem „jemanden auf den Arm nehmen“ entspricht. Man kann natürlich tatsächlich jemanden auf den Arm nehmen, z.B. ein Kind. Als Redewendung bedeutet es aber „jemanden anlügen, täuschen“ usw. – und es gibt dazu noch viele ähnliche Redewendungen wie: jemanden an der Nase herumführen - jemandem einen Bären aufbinden - jemandem ein X für ein U vormachen usw.
Wie gesagt: Ich liebe Redensarten. Gerade der symbolischer Gehalt „erhöht“ gewissermaßen die Sprache und hat etwas Geheimnisvolles, gar etwas, das nur „Eingeweihte“ verstehen, auch wenn eine Redensart meist sehr profan, sehr prosaisch, eigentlich dem Alltag entnommen ist. Redensraten bzw. Redewendungen sind auch das Resultat der Phantasie. Vorgänge, Tätigkeiten, Dinge, was auch immer, die man vielleicht ungern „beim Namen“ nennt oder deren „Beschreibung“ zu umständlich wäre, werden mit sehr konkreten Begriffen „auf den Punkt“ gebracht. Dabei spielt besonders das Bildhafte eine große Rolle (Bindfäden, Kloßbrühe, Bratkartoffel).
Sprache in ihren Ausprägungen interessiert mich immer wieder aufs Neue. Sehr interessant findet ich dabei Archaismen und Neologismen (also untergegangene Wörter und Wortneuschöpfungen), die letztendlich eine Sprache lebendig halten. Hier nochmals eine Übersicht meiner Beiträge zum Thema Sprache:
Das Gezerre um den Wechsel von Mesut Özil vom SV Werder Bremen zu Real Madrid hat ein gutes Ende gefunden – für alle Beteiligten. Zuletzt ging es wohl nur noch um die Ablösesumme, die die Madrilenen den Bremern zu zahlen haben, da Özil noch bis Mitte 2011 unter Vertrag bei Werder stand. In den spanischen Medien ist dabei von 15 Millionen € die Rede, in den deutschen Medien taucht die Summe von 18 Millionen € auf (siehe u.a. transfermarkt.de unter Werder Bremen).
Sicherlich ist Özil damit unter seinem Marktwert zu Real Madrid gegangen, aber für die Bremer ist die jetzige Ablösesumme immer noch bedeutend mehr als das, was sie ein Jahr später für ihn bekommen hätten, wäre er bei Werder bis dahin geblieben: nämlich nichts, da Özil dann ablösefrei hätte wechseln können.
Auch Real Madrids Trainer Jose Mourinho hat die Verpflichtung von Mesut Özil als gutes Geschäft für die “Königlichen” bezeichnet. “Er war ein Spieler, dessen Vertrag 2011 ausläuft, deshalb haben wir ihn für einen Preis bekommen, der weit unter seinem richtigen Marktwert liegt”, sagte der Portugiese. “Einen Spieler seiner Qualität konnten wir uns zu diesen Bedingungen wirklich nicht entgehen lassen”.
Und für Özil selbst geht sicherlich ein Wunsch in Erfüllung: bei einem großen europäischen Verein unter Vertrag zu kommen (von einem Sechsjahresvertrag mit jährlich 5 Millionen € Salär ist die Rede).
Die Frage war natürlich, wie Werder Bremen ohne Özil das Hinspiel in der Qualifikation zur Champions League gegen Sampdoria Genua angehen würde. Der Abgang von Özil ist ohne Zweifel ein sportlicher Verlust für die Bremer, aber wie das Spiel gegen Genua gestern Abend zeigte, hat die Mannschaft das sehr gut kompensieren können. Bedenkt man zudem, dass es gestern das erste wirklich wichtige Pflichtspiel der neuen Saison war, so war die Leistung der Mannschaft bemerkenswert gut. Besonders Aaron Hunt, der als Spielmacher Özil zu ersetzen hatte, machte ein gutes Spiel. In der zweiten Halbzeit zeigte Werder, dass man dem Team auch in der neuen Saison einiges zutrauen darf. Manchmal erinnerte mich die Spielweise an Spanien, den neuen Weltmeister: Ballstafetten über viele Stationen und damit viel und sicherer Ballbesitz, dann das schnelle Umschalten und das Spiel in die Spitze. Das klappte nicht immer, aber die Ballverluste hielten sich in Grenzen.
Einzigster Wermutstropfen war der Anschlusstreffer der Italiener in der Schlussphase zum 3:1. Mit einem 3:0 wäre den Bremern die Teilnahme an der Gruppenphase der Champions League so gut wie nicht mehr zu nehmen – mit dem einen Gegentor kann es aber noch sehr eng werden. „Das späte Gegentor hält uns im Rückspiel aber vielleicht auch hundertprozentig wach.“, meint Werder-Trainer Thomas Schaaf. Wollen wir es hoffen. Das Rückspiel ist bereits am kommenden Dienstag in Genua, Anpfiff 20 Uhr 45. Es geht dabei um viel Geld (geschätzte 15 Millionen € sind dem Teilnehmer an der Gruppenphase so gut wie sicher – für Bremen wichtige Einnahmen, um auch weiterhin im europäischen Fußball mitreden zu können).
Am Samstag fand bereits zum 6. Mal unser alljährliches Flusskrebsessen bei Catarina und Klaus statt. Leider musste meine Frau wegen ihrer Erkrankung und auch mein älterer Sohn Jan (er war bis heute Morgen beim Open Flair Festival in Eschwege) absagen. So war ich diesmal nur mit meinem jüngeren Sohn gekommen.
Neben den Flusskrebsen gab es wieder jede Menge andere Leckereien und als Höhepunkt und Nachtisch Panna cotta und Mousse au Chocolat – diesmal von meinen jüngeren Sohn, dem Meisterkoch, zubereitet.
In diesem Jahr stand Klaus ganz im Mittelpunkt des Geschehens. Er war nicht nur für den Toast zuständig („Noch ’en Toast?“), sondern er erzählte von seinen zahlreichen Reisen und Kameltouren durch die Sahara in den 70er bis hin zu den 90er Jahren. Dabei besuchte er nicht nur Länder wie Mali, Niger, den Tschad und Sudan, sondern kam auch in Länder wie Usbekistan, Kasachstan und Tadschikistan.
Von einer dieser Reisen mit einer Kamelkarawane durch den Sudan hat er auch ein Buch veröffentlicht: Cowboys der Wüste. Im Klappentext dazu heißt es: Wie die Cowboys im Wilden Westen treiben die Kameltreiber ihre Kamelkarawane quer durch den Sudan nach Ägypten. Klaus Höppner war einer von ihnen.Während des 1000 km langen Rittes lernte er Hitze und Kälte, Hunger und Krankheit kennen und überlebte nur, weil er sich den Bedingungen der Karawane total unterwarf. Sein fesselnder Bericht vermittelt einen lebendigen Eindruck von Land und Leuten und beweist, daß Reisen auch heute noch ein Abenteuer sein kann.
Später mit Sicherheit etwas mehr hierzu. Vor zehn Jahren - zum Jahrtausendwechsel 1999 auf 2000 war ich mit meinen Lieben zwei Wochen in Südtunesien - hat Klaus meinen Söhnen, meiner Frau und mir an einem längeren Nachmittag einen Großteil seiner Bilder (Dias) von seinen Reisen gezeigt. Er hat dabei ein seltenes Talent die endlos vielen Geschichten und Anekdoten auf spannende und plastische Weise zu erzählen.
Wie kann man ein Musikalbum nur ‚A’ nennen? Schon allein der Titel des 1980 erschienenen Albums von der Gruppe Jethro Tull verwirrte die treue Fangemeinde; wie sehr sollte es die ‚neue’ Musik erst sein. Des Rätsels Lösung: Das Album ‚A’ sollte eigentlich ein erstes Solo-Album ihres Mastermind Ian Anderson werden; das A steht für Anderson.
Nachdem am 14. April 1980 im Hammersmith Odeon, London die Stormwatch-Tour und damit für viele Jethro Tull-Fans gewissermaßen das ‚goldene Zeitalter’ der Gruppe endete, denn es war auch endgültig das letzte Konzert mit John Evan, Barrimore Barlow und David Palmer (siehe auch meinen Beitrag: Jethro Tull live 1. April 1980 München Olympiahalle), zog sich Ian Anderson Mitte des Jahres zu Aufnahmen ins Maison Rouge Mobile und Maison Rouge Studio, Fulham, London, zurück, um das gesagte Album aufzunehmen. Neben Ian Anderson, Martin Barre und Dave Pegg wirkten Mark Craney (Drums) und Eddie Jobson (Keyboards, elektr. Geige) als neue Mitglieder der Gruppe mit. Das Album erschien am 29.08.1980 in Großbritannien und am 01.09.1980 in den USA.
Nach der Folk Rock-Phase der Gruppe (etwa 1976-1979) begann mit diesem Album die Phase des Electronic Rock von Jethro Tull, die etwa 1984 mit dem Album „Under Wraps“ endete. Bei vielen der bisherige Fans brach damals das nackte Entsetzen aus, weil es die bis dahin wohl größte Veränderung der Gruppe war, nicht nur personell (die alten Recken Evan, Barlow und Palmer mussten gehen, dafür kam u.a. der androgyn wirkende Eddie Jobson), sondern in erster Linie natürlich musikalisch (Jobson hinterließ bei den neuen Kompositionen seinen musikalischen Einfluss: Anderson/add. mus. mat. Eddie Jobson steht bei den Liedern in Klammern). Und während Ian Anderson auf der Stormwatch-Tour noch mit langer Mähne über die Bühne wirbelte, waren die Haare auf der am 4. Oktober 1980 begonnenen ‚A’-Tour nicht nur wesentlich kürzer (und vorn auch lichter) geraten, auch das Outfit hatte nicht mehr den altertümlichen Touch, sondern wirkte futuristisch.
Im ‚Windschatten’ des neuen Albums erschien dann auch noch die Videokassette Slipstream (heute gemeinsam als A remastered (CD+Bonus DVD Slipstream) erhältlich), auf der neben einigen interessanten Videoclips (u.a. Ian Anderson als Vampir) auch Ausschnitte von der neuen Tour enthalten sind.
Jethro Tull: Black Sunday (Live on ‘A’-Tour on 20th or 21st Nov 1980 at Royal Albert Hall London, UK)
Jethro Tull - Fylingdale Flyer (Videoclip – hieraus stammt auch das Cover zum ‘A’-Album)
Ian Anderson und Jethro Tull haben immer wieder durch gravierende Stiländerungen ihrer Musik überrascht. Anderson versteht sich als Musiker, weniger als Rockmusiker, und beansprucht natürlich für sich, aus allen musikalischen Töpfen schöpfen zu dürfen. Als ich mir damals ‚A’ kaufte, war ich natürlich auch überrascht. Aber so sehr auch elektronische Klänge die Musik verändert hatten, die musikalische Herkunft namens Anderson ließ sich nicht verleugnen. Wenn mir ein Album aus dieser Zeit nicht gefällt, dann ist es „Under Wraps“ aus dem Jahre 1984 – aber hauptsächlich wegen des Drum Computers, den Ian Anderson wohl eigenhändig programmiert hatte, der aber nie die feinen Facetten handgemachter Trommelarbeit ersetzen konnte, so komplex die rhythmischen Strukturen auch gesetzt waren – in der Lautstärke vielleicht etwas gedrosselt wären die Drums erträglicher anzuhören.