Desolat und desaströs

Für Fans des SV Werder Bremen sind das jetzt schwere Wochen. Und ich fürchte, dass es eine schwere Saison wird. Was die Fußballer von der Weser zz. spielerisch bieten, ist „unter aller Sau“. Die Saison begann für Werder Bremen mit einem Paukenschlag, allerdings einem negativen: Zum Auftakt gab es eine 1:5-Testspiel-Niederlage beim FC Fulham. Und die Bundesliga-Saison begann mit einer 1:4-Klatsche bei der TSG 1899 Hoffenheim. Anschließend zeigten die Bremer wieder ihr Janusgesicht, einmal lächelnd (gegen Köln, die Bayern und wenn auch mit einem krampfhaften Lächeln gegen den HSV), dann weinend gegen Mainz und in Hannover. Nach sechs Spieltagen steht Werder Bremen auf einen bescheidenen 12. Platz.

Immerhin schaffte Werder auch ohne Özil die Qualifikation zur Champions League gegen Sampdoria Genua (Das „Wunder“ von Genua) und konnte im 1. Spiel in der Gruppenphase gegen Tottenham Hotspur gerade noch eine Niederlage abwenden. Aber was die Mannschaft gestern in Mailand beim 0:4 gegen Inter bot (okay, die sind immerhin der Titelverteidiger) war alles anderes als „prickelnd“.

Dabei find alles ganz gut an. Hugo Almeida hatte drei große Chancen: Nach 125 Sekunden stürmte Inter-Keeper Julio Cesar bei einem langen Ball unnötig aus seinem Kasten - den Heber von Hugo Almeida klärte der Ex-Münchner Lucio knapp vor der Linie. Bei Almeidas krachendem Freistoß eine Minute später sah der brasilianische Nationaltorhüter schon besser aus. In der 20. Minute vergab Almeida seine dritte Gelegenheit – eine so genannte 100 %-ige Chance. Es ist müßig darüber zu diskutieren, ob ein Claudio Pizarro mit seiner filigranen Technik – leider ist er wiederum verletzt - eine dieser Chancen genutzt hätte. Almeida ist mehr der Mann fürs Grobe, der seine Tore mit Hammerschüssen erzielt oder durch krachende Kopfbälle.

Vielleicht waren diese vergebenen Möglichkeiten auch schon symptomatisch für das, was dann kam. Die Bremer griffen meist erst an der Mittellinie an und präsentierten sich in der Rückwärtsbewegung völlig orientierungslos. Und so führte Daniel Jensens leichtfertiger Ballverlust zum 1:0. Dann beim 2:0 ließ Eto’o nach einem Traumpass von Lucio Innenverteidiger Sebastian Prödl schlecht aussehen. Und bei den zwei weiteren Gegentoren durfte Mertesacker lediglich Slalomstange spielen.

Natürlich boten die Mailänder einen für italienische Mannschaften ungewohnt attraktiven Angriffsfußball, kein Wunder, spielten sie in der Anfangself ohne Italiener. Aber so unter die Räder zu kommen ist schon beschämend. Sicherlich lief gestern durch die vielen Verletzungen von Stammspielern (neben Pizarro und dem lange schon verletzten Naldo konnten auch Torsten Frings und Clemens Fritz nicht nach Mailand fahren) eine Mannschaft auf, die noch nicht richtig eingespielt ist. Von den drei Neuen (Mikael Silvestre, Wesley und Marko Arnautovic) konnte lediglich der Brasilianer halbwegs überzeugen. Der nicht mehr ganz taufrische Silvestre ist auch nicht mehr der Schnellste und durfte öfter seinem Gegenspieler hinterhergucken. Und bei Arnautovic bestätigen sich Werders Eigenschaften: ein Spiel mit Licht und Schatten.

Der Statistik nach (UEFA-Klubkoeffizient) steht der SV Werder Bremen immerhin auf Platz 11 aller europäischer Fußballvereine. Aber zur wirklichen Spitze ist der Weg weit – und wird auch in diesem Jahr lediglich Traum bleiben.



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