Heute und die nächsten zwei Tage werde ich voll im Stress sein. Das hat man davon, wenn man sich überreden lässt, den stellvertretenden Abteilungsleiter zu spielen. Dann hat man den ganzen Kram an den Hacken, wenn der Abteilungsleiter dauerhaft fehlt.
Es geht in diesen Tagen um Neuprogrammierung und Umstrukturierung im Betrieb. Da kommen aus allen Himmelsrichtungen Deutschlands Leute bei uns zusammen, um in einer Art Arbeitkreis die bisher gesammelten Punkte zu diskutieren, zu vertiefen, ich weiß nicht, was sonst noch. Aus der Ferne sehe ich Murphy winken.
Es hilft nichts: Ich kann nur versuchen, locker zu bleiben. An einem der Abende gibt es dann noch ein ‚zwangloses Beisammensein’ („auf ein Bier oder zwei“), da graut es mir fast noch am meisten vor. Nun hinein und durch …
In Baden-Württemberg kann man bekanntlich alles, außer Hochdeutsch … Nachdem sich bereits unser noch ziemlich neue Außenminister, der Guido Westerwelle, als wenig glänzende Englischsprechkoryphäe präsentiert hat, beweist auch Günther Oettinger, seines Zeichen Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg und nominiertes Mitglied der Europäischen Kommission (Kommission Barroso II) – dank Frau Merkel aus Stuttgart nach Brüssel weggelobt -, das Englisch nicht jedermanns Sache ist. Peinlich dabei ist, dass er zuvor immer wieder gefordert hat, Englisch müsse die Arbeitssprache werden („Deutsch bleibt die Sprache der Familie und der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest“). Oettinger ist jetzt also die Sprache Deutschlands in Europa? Danke, Frau Merkel: Schlimmer geht’s nimmer (oder doch?)!“
Man mag von Horst Schlämmer halten, was man will. Dieser schmierige, Trenchcoat tragende Provinzpostillen-Schreiberling, der Bier und Doornkaat als Treibstoff braucht und durch allerlei Beschwerden wie „Rücken“, „Kreislauf“ und Konzentrationsschwäche gebeutelt wird, dessen Äußeres durch eine Vokuhila-Frisur, eine altmodische Brille, einen Schnurrbart, Überbiss und einen mittleren Bierbauch brilliert, hat den Sympathiewert eines Mr. Bean. Zudem leidet er unter Schnappatmung. Diese Beeinträchtigungen hindern ihn freilich nicht daran, ständig junge attraktive Frauen in betont schleimiger Art „anzubaggern“, Also eigentlich alles andere als liebenswert. Und doch hat Horst Schlämmer in Deutschland eine Bekanntheitsgrad erreicht, der seinen Schöpfer und Interpreten Hape Kerkeling veranlasst sah, einen Kinofilm zu drehen.
Schlämmer ist eine von vielen Kunstfiguren von Hape Kerkeling, der die besondere Gabe besitzt, sich immer wieder selbst neu zu erfinden, sei es über seine Figuren, über innovative Fernsehformate oder über originelle Ansätze, Humor an den Mann und die Frau zu bringen. In Horst Schlämmer - Isch kandidiere erkennt man bald, welches filmisches Vorbild Hape Kerkeling hier ansteuert. Was bei Sacha Baron Cohen mit Borat perfekt und mit Brüno zumindest teilweise funktioniert hat, müsste auch auf Deutschland übertragbar sein.
Der stellvertretende Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblatts, Horst Schlämmer, hat von seinem Job endgültig genug. Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung beschließt er, in die Politik zu gehen. So begibt er sich in den Nahkampf mit dem Politikervolk. Mal sind die Interviewpartner eingeweiht (wie die Grünen Cem Özdemir und Claudia Roth oder Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers), mal offensichtlich nicht. Aber wo „Vorbild“ Sacha Baron Cohen seine Gesprächsopfer bitter-böse vorführt, entlarvt und demütigt, passiert bei „Horst Schlämmer – Isch kandidiere“ nicht viel. Hape Kerkelings Versuch, in „Horst Schlämmer – Isch kandidiere“ der deutschen Politik den Zerrspiegel vorzuhalten, erstickt in der eigenen Harmlosigkeit.
Natürlich hat der Film einen gewissen Unterhaltungswert – ähnlich wie bei dem bereits zitierten Mr. Bean. Aber Kerkeling ist eben kein Satiriker und meilenwert davon entfernt zu ‚entlarven’. Er will keinem wirklich weh tun. Und so dreht sich alles mehr oder weniger um die Person Horst Schlämmer, die durch Kerkeling sicherlich bis ins letzte Detail ausgeformt ist, die aber über einen Darsteller von humorvollen Klamauk nicht hinauskommt. Schade eigentlich.
Unser Meister, Ian Anderson von der Gruppe Jethro Tull, war immer dann zur Stelle, wenn es galt, für ein Folk- oder Rockstück die Flöte zu bedienen – meist bei Plattenaufnahmen, in Ausnahmefällen sogar live mit auf der Bühne. In dem Jethro Tull Board @ www.laufi.de habe ich nun gesehen, dass unser Flötengnom (u.a. auch mit Barriemore Barlow am Schlagzeug) im Jahre 1976 auch unterstützend bei einer Aufnahme für die LP „I/YOU” von Brian Protheroe, einem bei uns weitgehend unbekannten Schauspieler und Sänger/Songwriter aus UK, tätig war. Auf dem Stück ‚Under The Greenwood Tree’ spielt Mr. Anderson eine fein folkige Flöte. Der Text ist ein Poem von William Shakespeare:
[Amiens sings:] UNDER the greenwood tree,
Who loves to lie with me,
And turn his merry note
Unto the sweet bird’s throat,
Come hither, come hither, come hither:
Here shall he see
No enemy
But winter and rough weather.
Who doth ambition shun,
And loves to live i’ the sun,
Seeking the food he eats,
And pleased with what he gets,
Come hither, come hither, come hither:
Here shall he see
No enemy
But winter and rough weather.
[Jaques replies:] If it do come to pass
That any man turn ass,
Leaving his wealth and ease
A stubborn will to please,
Ducdame, ducdamè, ducdamè:
Here shall he see
Gross fools as he,
An if he will come to me.
Brian Protheroe feat. Ian Anderson – Under the Greenwood Tree (1976)
Meine Frau und ich haben ein besonderes Verhältnis zu Italien, besonders meine Frau. Vor vielen Jahren hat sie in Tostedt eine Familie aus Sizilien kennen gelernt. Der Mann arbeitete als Gastarbeiter in dem kleinen Ort. Nach gut 15 Jahren Aufenthalt in Deutschland kehrten sie in ihre Heimat zurück. Seitdem haben wir sie bereits öfter besucht und die Hochzeiten der Kinder als Gäste mitfeiern dürfen.
So kam meine Frau an dem Buch Maria, ihm schmeckt’s nicht! von Jan Weiler natürlich nicht vorbei. Das Buch vermischt auf humorvolle Weise fiktive Elemente mit den Erzählungen Weilers Schwiegervaters „Antonio“ und seinen Erfahrungen mit seiner italienischen Familie. Meine Frau fand das Buch köstlich.
Zum Inhalt: Es geht um einen jungen deutschen Mann, der sich morgens beim Bäcker in eine schöne Halb-Italienerin verliebt. Und als er einige Zeit später mit ihr vor den Traualtar tritt, heiratet er nicht nur sie, sondern auch ihre beträchtliche italienische Sippe aus Campobasso. Und die will ihn natürlich sofort kennen lernen! Vor allem sein Schwiegervater Antonio Marcipane, von dem er beim ersten Treffen befürchtet, er könne ihm einzelne Finger abschneiden und zwecks Lösegelderpressung an seine Eltern schicken, stellt sich als sehr redselig heraus. Die beiden fahren zusammen nach Campobasso, wo Antonio seine Lebensgeschichte erzählt - die eines italienischen Gastarbeiters, der in den 60er Jahren mit großen Träumen nach Deutschland kommt und bleibt.
Inzwischen wurde das Buch verfilmt und ist seit kurzem als DVD erhältlich: Maria, ihm schmeckt’s nicht!: Regie: Neele Leana Vollmar - Darsteller: Lino Banfi, Christian Ulmen, Mina Tander, Maren Kroymann, Gundi Ellert, Peter Prager, Paolo de Vita, Ludovica Modugno, Lucia Guzzardi, Nino Bellomo, Leonardo Nigro, Pierluigi Ferrandini
Jan (Christian Ulmen) möchte die Deutsch-Italienerin Sara (Mina Tander) heiraten. Ganz unspektakulär. Nur standesamtlich. Doch Jan hat die Rechnung ohne seinen zukünftigen Schwiegervater gemacht. Antonio Marcipane (Lino Banfi), der 1965 als Gastarbeiter nach Osnabrück kam und mit der Deutschen Ursula (Maren Kroymann) verheiratet ist, verlangt eine Hochzeit in Süditalien. Basta!
Jan und die Marcipanes reisen nach Campobello, um die große Familienfeier mit der ganzen Sippschaft vorzubereiten. Konfrontiert mit südlichem Temperament, apulischer Küche, weichen Betten und harter Bürokratie, muss Jan sich schon bald fragen, ob Sara und ihre Familie wirklich die Richtigen für ihn sind …
Maria, ihm schmeckt’s nicht! - Trailer
Buchverfilmungen sind fast immer problematisch. Der Film muss sich meist auf das Wesentlichste reduzieren. Und so fand meine Frau das Buch auch um vieles besser als den Film. Ich selbst habe bisher das Buch nicht gelesen – und kann die Geschichte nur nach dem Film beurteilen. Sicherlich werden hier manche Klischees reichlich strapaziert, aber Überzeichnungen prägen nun einmal Komödien. Die einzelnen Charaktere bleiben immer liebenswert menschlich – mit Schwächen und Stärken, sodass der Film durch herzerfrischenden Charme punktet. Bei mir hat der Film auf jeden Fall Appetit gemacht, jetzt auch (endlich) das Buch zu lesen. Mir hat der Film geschmeckt ….
Filmkritik auf filmstarts.de mit diversen Filmausschnitten
Mein jüngster Sohn beendet im Sommer die Realschule. Was seine weitere Zukunft betrifft, hat er ziemlich klare Vorstellungen. Er möchte zunächst die zweijährige Fachoberschule im Bereich Wirtschaft und Verwaltung besuchen, Schwerpunkt möglichst Verwaltung und Rechtspflege.
Am Montag gab es Zeugnisse, mit denen man sich bei den berufsbildenden Schulen anmelden kann. Bis zum 20. Februar haben wir Zeit, einen Platz an einer zweijährige Fachoberschule (FOS) zu finden. Hier beginnt das Problem, denn einige der so genannten BBS (Berufsbildende Schule) bieten nur die 12. Klasse FOS an – eine abgeschlossene Berufsausbildung ist hierfür neben dem Realschulabschluss Voraussetzung. Und wenn man in der Provinz wie ich und meine Lieben wohnen, dann kommt das Problem der Entfernung hinzu. Der Personennachverkehr ist auf dem Lande nicht sehr ausgeprägt und das Erreichen einer Schule außerhalb des eigenen Wohnortes kommt einer Weltreise gleich.
Was die allgemeinbildenden Schulen (Primär- und Sekundarstufe I) betrifft (von Grundschule über Realschule und Gymnasium), so ist unser Wohnort Tostedt noch ganz gut bestückt. Schulen der Sekundarstufe II (außer gymnasiale Oberstufe) befinden sich aber nicht mehr vor Ort. Die nächste BBS ist in Buchholz/Nordheide. Dort wird aber nichts Entsprechendes angeboten. So käme Rotenburg/Wümme in Frage. Und laut Informationsveranstaltung, die an der Realschule, die mein Sohn besucht, abgehalten wurde, vor allem aber laut den Infos auf der Website der BBS Rotenburg sollte genau das (im Antragsverfahren) angeboten werden, was mein Sohn wollte. Sollte, denn wie sich nach telefonischer Rücksprache herausstellte, gibt es dort nur eine einjährige FOS (12. Klasse). Es wird Zeit, dass dieses irreführende Angebot endlich von der Schulwebsite verschwindet.
Nun inzwischen haben wir einige Schulen ausgeguckt, die allerdings vom Fahrweg her nicht so günstig liegen. Am besten wäre die höhere Handelsschule in Harburg, genauer Hamburg-Harburg. Obwohl unser Landkreis den Namen Harburg trägt, leben wir in Niedersachsen, also in einem anderen Bundesland. Zwar rücken Hamburg und die angrenzenden Landkreise (z.B. im Personennahverkehr – bis Tostedt fährt man inzwischen im Hamburger Verkehrsverbund HVV) näher zusammen – nur nicht in schulischen Dingen. Wer in Hamburg zur Schule will (gilt eben auch und insbesondere für berufsbildende Schulen), muss seinen Wohnsitz in Hamburg haben. Und ist der Schüler noch nicht volljährig, so muss auch ein Elternteil in Hamburg gemeldet sein. Klar, Schulwesen ist Ländersache. Aber kann es da nicht Regelungen (z.B. über den Finanzausgleich der Länder) geben, die solche ‚Abschreckungsmaßnahmen’ überflüssig machen (ein Wohnsitzwechsel hat steuerrechtliche Konsequenzen – bis hin zur Zweitwohnungsteuer). Deutschland hatte immer schon einen Hang zur Kleinstaaterei. Föderalismus hin, Föderalismus her: Im Zeitalter der Globalisierung mutet dieses Kompetenzgerangel geradezu mittelalterlich an.
Als hätten wir noch nicht genug Schnee abbekommen, so schneite es gestern den ganzen Tag, an die 15 Zentimeter, wenn nicht noch mehr. Für norddeutsche Verhältnisse mehr als ungewohnt. So gab es heute im Landkreis Harburg auch wieder schulfrei. Und ich nahm mir auch gleich einen freien Tag, nicht nur zum Schneeschippen, sondern auch, um mit meinem jüngsten Sohn seinen weiteren schulischen bzw. beruflichen Weg zu ebnen. Letzteres hat mich fast den ganzen Tag in Anspruch genommen (und einiges an Nerven gekostet – dazu in den nächsten Tagen etwas mehr), sodass ich heute hier nur einige Bilder ins Netz stelle, die (noch bei Sonnenschein aufgenommen, denn inzwischen schneit es wieder in dicken Flocken) für die Nachwelt dokumentieren sollen, dass es auch in niedersächsischen Niederungen kräftig schneien kann: