25.01.2012

Demontration an 4. Februar: Tostedt gegen Rechts

Der braune Spuk in Tostedt geht vorerst weiter. Das Urteil gegen den Betreiber des Ladengeschäft „Streetwear“ wegen Landfriedensbruchs wurde wie kurz berichtet aufgehoben. Damit ist auch die Bewährungsauflage, den Laden, der Anlaufsstelle für die rechtsextremistische Szene ist, zu schließen, hinfällig. Man kann vom dem Urteil halten, was man will. Es mag juristisch richtig sein (immerhin war es ein geschickter Schachzug des Herrn S., zuzugeben, die besagte „Waffe bereits längere Zeit bei sich gehabt“ zu haben). Damit Herr S. und Konsorten aber nicht zu sehr die Urteilsaufhebung feiern und im Gegenteil spüren, dass man in Tostedt nicht gewillt ist, das Treiben der rechtsextremistischen Szene zu dulden, ruft der Tostedter Bürgermeister mit Unterstützung aller Fraktionen der im Gemeinderat Tostedt und Samtgemeinderat Tostedt vertretenen Parteien (u.a. die Grünen) zu einer Demonstration am Samstag, den 4. Februar 2012 ab 14 Uhr vor dem Rathaus in Tostedt auf:

Bürgerbewegung
Tostedt gegen Rechts
Bürger demonstrieren gegen Neonazis

Wann: Samstag, den 04.02.2012 ab 14:00 Uhr

Treffpunkt: Rathaus

Gang zum Platz Am Sande

Anschließend laden die Tostedter Kirchen zu einer Friedensandacht in die Johanneskirche ein

Fassungslosigkeit und Empörung über den Beschluss des Oberlandesgerichts Celle!

Neonazi Silar muss seinen Szeneladen nicht schließen!

Uns reicht`s!

Wir wehren uns gegen das braune Image Tostedts.

Kommen Sie mit auf die Demonstration, um zu zeigen,

dass die Mehrheit der Tostedter Bürger anders denkt!

Verantwortlich:

Gerhard Netzel
Bürgermeister der Gemeinde Tostedt

Dieser Aufruf wird von allen im Rat der Gemeinde Tostedt und im Samtgemeinderat vertretenen Fraktionen sowie von Kirchengemeinden, Vereinen und Verbänden unterstützt!

 

Zur Information hier die Pressemeldung der Staatsanwaltschaft Stade vom 17.01.2012 zu der Einstellung des Strafverfahrens:

Pressemeldung der Staatsanwaltschaft Stade vom 17.01.2012

Oberlandesgericht Celle hebt Verurteilung von Stefan Silar auf und stellt Strafverfahren ein

Stade / Tostedt. Auf die Revision des Angeklagten Stefan Silar hat das Oberlandesgericht Celle mit Beschluss vom 20.12.2011 ein Urteil des Landgerichts Stade vom 05.08.2011 aus Rechtsgründen aufgehoben und das Strafverfahren wegen des Vorwurfs des Landfriedensbruchs aufgrund eines sogenannten „Strafklageverbrauchs“ eingestellt.

Silar betreibt im Tostedter Raum das Ladengeschäft "Streetwear", in welchem er Bekleidung und Tonträger anbietet, die in der rechtsextremistischen Szene beliebt sind.

Hintergrund der Entscheidung sind Ereignisse von Pfingsten 2010. Damals zog eine Gruppe von linksgerichteten Personen zum Ladengeschäft „Streetwear“ des Stefan Silar in Tostedt und traf dort auf rechtsgerichtete Personen aus dem Umfeld des Silar. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen und der Polizei. Silar war deswegen zum einen mit einem inzwischen rechtskräftigen Strafbefehl des Amtsgerichts Tostedt vom 28.07.2010 wegen Führens einer Schusswaffe ohne eine waffenrechtliche Erlaubnis zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je 30 Euro verurteilt worden.

Nachfolgend hat ihn das Amtsgericht - Schöffengericht - Tostedt am 21.02.2011 ebenfalls aufgrund der Ereignisse von Pfingsten 2010 wegen einer gesonderten prozessualen Tat des schweren Landfriedensbruchs zu einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten verurteilt. Dieses Urteil wurde vom Landgericht Stade auf die Berufung des Silar aufgehoben, der nunmehr vom Landgericht Stade am 05.08.2011 nur noch wegen Landfriedensbruchs zu einer Freiheitsstrafe von 9 Monaten verurteilt wurde, deren Vollstreckung zudem zur Bewährung ausgesetzt wurde. Silar erhielt die Bewährungsauflage, sein Ladengeschäft „Streetwear“ bis Ende März 2012 zu schließen.

Das Oberlandesgericht in Celle hob das vorgenannte Berufungsurteil gegen Silar vom 05.08.2011 nunmehr auf, weil die Tat aus dem Strafbefehl und aus dem angefochtenen Berufungsurteil als eine Tat im prozessualen Sinne anzusehen sei.

Die Staatsanwaltschaft war bei ihrer Anklageerhebung noch davon ausgegangen, dass zwischen dem Landfriedensbruch und dem Waffendelikt entsprechend dem Sachstand in den Ermittlungsakten eine wesentliche zeitliche und örtliche Zäsur bestand. Erstmals in der Hauptverhandlung vor dem Landgericht Stade behauptete Silar, er habe die Waffe bereits längere Zeit bei sich gehabt. Das Landgericht Stade hat diese Einlassung zur Grundlage seiner Entscheidung gemacht, wobei das Oberlandesgericht Celle diese Feststellungen dahingehend rechtlich gewürdigt hat, dass neben der vorangegangenen rechtskräftigen Verurteilung wegen des waffenrechtlichen Verstoßes eine weitere gesonderte Verurteilung wegen Landfriedensbruchs unzulässig sei.

Pressemeldung der Staatsanwaltschaft Stade vom 17.01.2012

Kommentare Kommentare | Rubriken: Machtgier, Tostedt | Autor: WilliZ



27.01.2012

Endlich Winter

Vor über einem Viertel Jahr hatte ich einen ‚harten’ Winter (Vorbereitungen auf einen frostigen Winter) prophezeit. Was hatten wir bisher? Einen meist lauen Herbst. Aber wer nun dachte, das wäre es mit diesem Winter, der muss sich arg getäuscht sehen: Förmlich über Nacht ist es jetzt auch bei uns im hohen Norden Deutschlands Winter geworden. Es hat über Nacht geschneit. Und dieser Schnee ist sogar liegen geblieben. Für die nächsten Tage ist sogar richtig knackiger Frost vorausgesagt. Bis zu einem zweistelligen Minus-Bereich. Da heißt es, sich warm anziehen. Ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt …

Winterimpression Tostedt 2001
aus: Winterimpression Tostedt 2001

Kommentare Kommentare | Rubriken: Donnerwetter, Tostedt | Autor: WilliZ



26.01.2012

Vom Quadraten und Hinterhöfen

Eine Scherzfrage lautet: Wie heißt der höchste Berg in Bremen? Antwort: Der Hulsberg; von dort kann man bis ans schwarze Meer gucken. Nun es gibt in Bremen eine Straße „Am Hulsberg“ und die mündet in eine Straße mit dem Namen „Am schwarzen Meer“. Von einem Berg ist aber weit und breit keine Spur.


Bremen: Am Hulsberg – Am schwarzen Meer

Straßennamen haben es schon in sich. Da gibt es die verrücktesten Namen. In Hamburg gibt es Straßen wie Ellenbogen und Schulterblatt. Oder wie in New York so sind Straßen gewissermaßen durchnummeriert (siehe 5th Avenue).


Hamburg: Schulterblatt

Aber es kommt noch kurioser. Mannheims historische Innenstadt hat ein gitterförmiges Straßennetz, ist also eine Planstadt, die in Häuserblöcken statt in Straßenzügen angelegt wurde, und bis heute erhalten geblieben ist. Sie bildet eine mit der Festung verbundene Bürgerstadt. Statt Straßennamen sind die jeweiligen Quadrate (Häuserblöcke) ähnlich wie auf einem Schachbrett bezeichnet, hier von A1 bis U6. Daher führt Mannheim auch den Beinamen Quadratestadt.


Mannheim - historische Innenstadt als Planstadt

Ein anderes Beispiel für eine Planstadt ist „Eixample [katalanisch für Erweiterung), der zweite Stadtbezirk der katalanischen Hauptstadt Barcelona, welcher für seine quadratischen Häuserblocks mit den abgeschrägten Ecken (Chaflanes) und den vielen modernistischen Bauten bekannt ist. Auf einer Fläche von 7,48 Quadratkilometern beherbergt er fast 270.000 Menschen (2008), somit macht ihn die Bevölkerungsdichte von über 35.800 Einw./km² zu einem der am dichtesten besiedelten Orte in Europa.“ (Quelle: de.wikipedia.org).


Barcelona: Antiga Esquerra de l’Eixample

Die Planstadt Eixample führt übrigens ‚normale’ Straßennamen und wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet, also zu einer Zeit, in der eine breite Industrialisierung und damit eine zunehmende Urbanisierung einsetzte, und die bei uns in Deutschland Gründerzeit genannt wird. Großstädte wie Berlin benötigten dringend Wohnraum. So entstanden Mietskasernen und speziell in Berlin der „Typus des dreigliedrigen Berliner Mietshauses mit Vorderhaus, Seitenflügel, Hinterhaus um einen Hof in dicht bebauten Quartieren mit Blockrandbebauung“. (Quelle: Deutsches Historisches Museum)

Ein sehr interessantes, wenn auch nicht ganz typisches Beispiel hierfür sind die Hackeschen Höfe mit insgesamt acht Höfen. Dieses Areal wurde allerdings nicht nur für Wohnzwecke genutzt, sondern diente auch als Gewerbehof-Anlage. „Ungewöhnlich und neu war damals das Konzept, den ersten Hof kulturell zu nutzen und entsprechend aufwändig zu gestalten. Auch hierin zeigte sich der Einfluss der um 1900 propagierten Lebensreform-Bewegung. Im Jahr 1905 hatte Berlin zwei Millionen Einwohner und galt als größte Mietskasernenstadt der Welt, die Tuberkulose als „Berliner Krankheit“. Eigentümer und Architekt der Hackeschen Höfe wollten mit ihrer Anlage ein beispielhaftes Umfeld für modernes, gesünderes Wohnen und Arbeiten schaffen. Die Wohnhöfe lagen weitab vom Straßenlärm im Blockinneren und wurden nach Möglichkeit so angelegt, dass sie von benachbarten Grünanlagen – dem alten Jüdischen Friedhof von 1672 und dem Friedhof der evangelischen Sophiengemeinde – Sonnenlicht und Sauerstoff bekommen konnten. Zur Ausstattung der Höfe gehörten Grünpflanzen, ein großer Sandkasten, mehrere Brunnen. Die rund 80 Wohnungen hatten vielfach Balkone und durchweg Bäder, Innentoiletten und Zentralheizung.“ (Quelle: de.wikipedia.org)

Heute gibt es in den Hackeschen Höfen Galerien und Werkstätten, Restaurants und Bars, Theater und Kino, Büros und Wohnungen. Die genaue Anschrift lautet übrigens Rosenthalerstraße 40/41 & Sophienstraße 6. Die Nennung des jeweiligen Hinterhofes in der Postanschrift ist wohl sinnvoll. Das Fotoblog: Berliner Hinterhöfe zeigt anschaulich, wie diese Hinterhöfe heute gestaltet sind.


Berlin Hackesche Höfe (Rosenthalerstraße 40/41 & Sophienstraße 6)

Kommentare Kommentare | Rubriken: Unsere Erde - unsere Welt | Autor: WilliZ



24.01.2012

… looking at Things

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, besagt ein Sprichwort. Und da das Internet reichlich Material an aussagekräftigen Bildern liefert, kommt das eine zum anderen. Das andere sind (meist) Tumblr-Blogs. Das läuft dann unter dem Motto „…looking at Things“ (also etwa: … beim Betrachten von Sachen). Meist trifft es Politiker – oder Diktatoren wie den unlängst verstorbenen Kim Jong-Il. So ist dann auch „Kim Jong-il Looking at Things” die Mutter dieses Webspottes (Okay, für seinen Sohn und Nachfolger, Kim Jong-un, gibt’s natürlich auch einen entsprechenden Blog).

    Kim Jong-il looking at an escalator

Wie gesagt: Diktatoren sind die ‚Opfer’, im Allgemeinen oder ganz speziell wie im Falle Gaddafi. Und natürlich Politiker, die immer gern im Blitzgewitter stehen. Für unsere Kanzlerin gibt es gleich mehrere solcher Foto-Blogs, z.B. Angela Merkel looking at Things bzw. (die Popularität des Kim Jong-Il-Blogs nutzend) Kim Jong Merkel looking at Things. Viel her gab natürlich auch der Freiherr von und zu Guttenberg. Und das nun auch der Bundespräsident dran glauben muss, ist wenig verwunderlich. Hier sei aber gewarnt. Ähnlich der Majestätsbeleidigung gibt es einen Tatbestand der Verunglimpfung des Bundespräsidenten. Daher betone ich ausdrücklich, dass der folgende Link auf ein externes Tumblr-Blog verweist, für das ich jede Verantwortung ablehne: Christian Wulff looking at Things.

    the leader is lookin at german glass..

Neuestes Opfer (einmal kein Politiker und Staatsoberhaupt) ist nach seiner Festnahme der als Kim Dotcom bekannte Betreiber der Filehosting-Plattform Megaupload, Kim Schmitz looking at Things (genau das!).

Kommentare Kommentare | Rubriken: Ei, wie witzig, Internet-Bastelkiste | Autor: WilliZ



23.01.2012

‚Willi’ beim Ministerpräsidenten

Etwas unter Zeitdruck stand er wohl und nicht so ganz bei der Sache war er. Immerhin empfing Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) letzten Mittwoch Vertreter der Evangelischen Jugend im Kirchenkreis Hittfeld (u.a. Jan Hendrik ‚Willi’ Saxe) und vom Vorstand des Jugendkonvents des Sprengel Lüneburg, die ihm die 6000. „Kugelkreuz“-CD übergaben. Wie berichtet steuerten 13 Bands ihre Songs gegen rechte Gewalt zu dem CD-Projekt bei. „Eine lobenswerte Initiative“ nannte McAllister das Projekt und freute sich über die CD: „Die höre ich mir gern an“, so der Ministerpräsident. Wollen wir es hoffen.

Willi bei McAllister
aus: Kreiszeitung Wochenblatt Nordheide Elbe & GeestNr. 3a – 41. Jahrgang vom 21.01.2012 – Seite 3

Kommentare Kommentare | Rubriken: Musik und mehr, Tostedt | Autor: WilliZ



22.01.2012

Armutszeugnis für den Rechtsstaat?

Recht und Gerechtigkeit sind manchmal zwei Paar Schuh. Eigentlich wundert mich nichts mehr, was in diesem, unseren ‚Rechtsstaat’ passiert. Sicherlich soll und kann ein Täter nicht zweimal wegen der gleichen Straftat bestraft werden. Man spricht hier vom Strafklageverbrauch. Wie sich das nun im Fall des Rechtsextremisten S. verhält, da mögen sich die Gelehrten schlagen. Ich empfinde nur, dass hier Recht und mein Rechtsempfinden nicht gerade deckungsgleich sind.

Hier Bericht, Kommentar und Stimmen aus Tostedt in Kreiszeitung Wochenblatt Nordheide Elbe & GeestNr. 3a – 41. Jahrgang vom 21.01.2012 – Seite 8:

Neonazi geht straffrei aus
Neonazi geht straffrei aus
Neonazi geht straffrei aus

Kommentare Kommentare | Rubriken: Machtgier, Tostedt | Autor: WilliZ



21.01.2012

Heute Ruhetag (1): Der wahre Weg …

Heute Ruhetag!

Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden.

Franz Kafka: Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg

Kommentare Kommentare | Rubriken: Literatur | Autor: WilliZ